Zum Start der neuen Saison wird es höchste Zeit, ein Fazit der abgelaufenen zu ziehen. Die Kurzfassung: Durchwachsen bis Beschissen. In der Langfassung liest sich das so: War der Auftakt vielversprechend, gab es schon im zweiten Rennen in Riva einen empfindlichen Dämpfer: Ausfall durch Materialdefekt. Im Nachhinein der Start in eine Saison mit vielen Hochs und Tiefs. Und nicht zuletzt mit einer Verletzung, die für mich das Saisonaus zu einem Zeitpunkt bedeutete, zu dem ich eigentlich alle Saisonhöhepunkte gesetzt hatte. Umso ärgerlicher, dass der langfristige Formaufbau gepasst hatte - mit Platz 4 beim letzten Rennen 2011, dem Ischgl Ironbike, zeigte die Leistungskurve endlich in die richtige Richtung. Doch statt bei Rad am Ring und der Eigerbike-Challenge am Start zu stehen, landete ich im Krankenhaus: Kahnbeinbruch - das Aus für 2011. Was bleibt? Die Ergebnisse – und die Aussicht darauf, hoffentlich bis zum ersten Rennen 2012 wieder vollkommen schmerzfrei zu sein.
Kellerwald BikeMarathon Platz 10 Sen II
Schinderhannes Bike Marathon Platz 6 Sen II
Worldclass Challenge Offenburg Platz 20 Sen II
Ultra Bike Kirchzarten Platz 20 Sen II
Bike TransGermany Platz 43
Salzkammergut-Trophy A-Strecke (211Km / 7052Hm) Platz 72
Erbeskopfmarathon Platz 2 Sen II
Ischgl Ironbike Mitteldistanz Platz 4 Sen II
Renn- und Reiseberichte, Tests und News rund ums Biken und Rennradfahren
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Montag, 7. Mai 2012
Ischgl IronBike 2011: Früher Feierabend.
Fraitag, 06.08.2011, unter einem strahlend blauen Himmel fahren wir ins Paznauntal. Noch 10 Kilometer bis Ischgl, das sieht doch viel besser aus, als vom launigen Radio-Wettermann eben noch auf Ö3 verkündet. Eine Kurve weiter der erste Blick auf den Talausgang bei Galtür: dicke, schwere, schwarze Wolken türmen sich imposant über der Silvretta – kurz später und direkt am Ortseingang klatschen die ersten Tropfen auf die Windschutzscheibe. Na prima. Im strömenden Regen checken wir ins Hotel ein, essen eine Kleinigkeit und warten auf die nächste Wolkenlücke. Die sich tatsächlich bald zeigt. Schnell umziehen und ab zum Warmfahren. Wir wollen zur Friedrichshafener Hütte, oben Kaiserschmarrn, unterwegs Heidelbeeren frisch vom Strauch. Dazwischen ein bißchen Ga1, Ga2 und EB. Ansonsten locker cruisen. Raus aus Ischgl, rein in den Anstieg zur Hütte.




Samstag., 07.08.2011. 6.20 Uhr. blauer Himmel. Ich stehe auf und fühle mich mies. Nicht das übliche Magengrummeln vor Rennen, sondern Kotzmies. Erst mal wieder hinlegen, tief durchatmen. Dusche, Frühstück. Den Kaffee bekomme ich kaum runter, die Brötchen mit Nutella gehen auch nicht besser. Gar nicht gut. Noch mal duschen. Besser. Trikot an, raus zum Warmfahren. 5 Minuten geht das gut, dann habe ich wieder das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Schlecht gelaunt rolle ich an den Start, stelle mich in den Startblock. Vielleicht wird's ja im Rennen besser. 20 Minuten später geht's los. Einführungsrunde durch Ischgl, dann die schnelle Schotterpiste nach Galtür. Mir ist nach wie vor schlecht, am liebsten würde ich sofort aussteigen, entscheide mich aber zumindest die kurze Runde zu fahren. Immerhin sind Swantje und meine Eltern dabei und der Weg soll nicht ganz umsonst gewesen sein. Ich hänge mich in eine Gruppe und lasse mich bis zum ersten echten Anstieg nach Galtür ziehen. Abzweig Lareinalpe, den Magen spüre ich kaum mehr. Kotzen könnte ich dennoch: denn jetzt habe ich auch noch Knieschmerzen. Rechts außen. Stechend. Zurückschalten, Trittfrequenz erhöhen. Nützt nix. Noch mal zurückschalten, deutlich Tempo reduzieren. O.K.– so lässt es sich aushalten. An der Verpflegungstelle schnappe ich mir einen Becher Wasser, Iso vertrage ich nicht.
Die Wolken werden dichter, Nieselregen setzt ein.Wir überlegen kurz die Tour abzubrechen, fahren dann aber doch weiter. Ist ja nicht so schlimm und warm ist es auch. Außerdem reißt gerade die Wolkendecke wieder auf, ein paar Sonnenstrahlen dringen durch. Ich pflücke ein paar Heidelbeeren, dann setzt wieder Regen ein. Stärker diesmal, also Regenjacke an. Weiter? Weiter. Ist ja nicht so schlimm und warm ist es immer noch. Kurz darauf sind wir oben, ausklicken, die Räder abstellen, einmal Kaiserschmarrn bitte. Platsch. Draußen regnet es plötzlich Katzen und Hunde. Der Himmel ist schlagartig dunkel, das Panorama verschwindet im Nebel. Gut, dass wir im Warmen sitzen. Eine halbe Stunde später: der Kaiserschmarrn ist verputzt, draußen gießt es nach wie vor wie aus Kübeln. Mh ... noch eine Nusstorte bitte. Irgendwie muss man die Warterei ja überbrücken. Außerdem: wenn man brav seinen Teller leert, wird das Wetter besser. Klappt bestimmt ab und zu – hier und heute leider nicht. Von der Nusstorte ist nicht mal mehr ein atomgroßer Krümel zu sehen, draußen schüttet es stärker als je zuvor. Es hilft nix, Regenjacken an und los. 30 Sekunden später sind meine Schuhe geflutet, die Hose klitschnass und selbst die Gore-Jacke macht schlapp. Wie geprügelte Hunde laufen wir in Ischgl ein, ab unter die warme Dusche und zum Abendessen.
Samstag., 07.08.2011. 6.20 Uhr. blauer Himmel. Ich stehe auf und fühle mich mies. Nicht das übliche Magengrummeln vor Rennen, sondern Kotzmies. Erst mal wieder hinlegen, tief durchatmen. Dusche, Frühstück. Den Kaffee bekomme ich kaum runter, die Brötchen mit Nutella gehen auch nicht besser. Gar nicht gut. Noch mal duschen. Besser. Trikot an, raus zum Warmfahren. 5 Minuten geht das gut, dann habe ich wieder das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Schlecht gelaunt rolle ich an den Start, stelle mich in den Startblock. Vielleicht wird's ja im Rennen besser. 20 Minuten später geht's los. Einführungsrunde durch Ischgl, dann die schnelle Schotterpiste nach Galtür. Mir ist nach wie vor schlecht, am liebsten würde ich sofort aussteigen, entscheide mich aber zumindest die kurze Runde zu fahren. Immerhin sind Swantje und meine Eltern dabei und der Weg soll nicht ganz umsonst gewesen sein. Ich hänge mich in eine Gruppe und lasse mich bis zum ersten echten Anstieg nach Galtür ziehen. Abzweig Lareinalpe, den Magen spüre ich kaum mehr. Kotzen könnte ich dennoch: denn jetzt habe ich auch noch Knieschmerzen. Rechts außen. Stechend. Zurückschalten, Trittfrequenz erhöhen. Nützt nix. Noch mal zurückschalten, deutlich Tempo reduzieren. O.K.– so lässt es sich aushalten. An der Verpflegungstelle schnappe ich mir einen Becher Wasser, Iso vertrage ich nicht.
Das Wasser auch nicht, das Nutellabrötchen klopft von innen an die Zähne.Runterschlucken und ab in die Abfahrt zurück nach Ischgl. Wieder hänge ich hinter eine Gruppe und lasse mich ziehen. Ischgl, Ortseinfahrt. Gleich ist es vorbei, noch ein Kilometer bis ins Ziel. Oder doch noch auf die mittlere Runde? Das Wetter ist prima, die Anreise war lang und vielleicht wird's ja besser ... schon biege ich ab auf die nächste Runde. Steil bergauf, rauf zur Idalpe. Swantje versorgt mich mit einer neuen Flasche, meine Eltern feuern an und ich versuche das Tempo zu erhöhen. Geht aber nicht. Mehr Druck auf dem Pedal heißt auch mehr Schmerzen im Knie. Also weiter locker fahren. Locker ist aber auch langsam - doch obwohl ich glaube zu stehen, sammle ich nach und nach zahlreiche Mitstreiter ein. Dann kommt die Idalpe in Sicht und wieder beginne ich zu grübeln: Mitteldistanz und Schluss machen? Oder doch durchziehen. Testweise erhöhe ich noch mal das Tempo, stechende Knieschmerzen geben mir die Antwort: nach der mittleren Runde ist Schluss. Ich erreiche die Alpe, informiere Swantje, dass ich rein komme und gehe in die letzten Höhenmeter rauf zur Veilischarte. Vorbei an der Streckenteilung – kurz spiele ich mit dem Gedanken, doch noch abzubiegen – dann bin ich auch schon oben und stürze mich in den von Hans Ray gebauten Trail zurück nach Ischgl. Wie eine Bobbahn zieht er sich in vielen Kehren mit schönen Anliegern und kurzen Gegenanstiegen durch das steile Tal und entschädigt so für die Strapazen des Aufstiegs. Super. Ich schieße aus dem Trail und donnere mit Highspeed in die Schotterautobahn gen Tal. Zielhang, Tunneldurchfahrt, Ziel. 3.00.13. Mist. Die 3-Stunden-Marke habe ich nur denkbar knapp verpasst und einen Treppchenplatz leider auch. Aber was soll's – unter dem Umständen sind Platz 48 in der Gesamtwertung und Platz 4 der Klasse dennoch ein prima Ergebnis.
Keine Klassenfahrt zum Tittisee: Hagel, Schnee und Schlamm beim UltraBike 2011
Tittisee. Ich schlittere durch eine 5 cm hohe Schicht aus feinsten Eis. Ideal für einen Caipirinha eigentlich, würden die Temperaturen auch nur ansatzweise der Jahreszeit gerecht werden. Doch vom Sommer ist nix zu spüren. Zu sehen auch nicht. Alles grau in grau, abwechselnd peitscht uns der Sturm Starkregen und Hagel um die Ohren. Prima, das es heute morgen am Start trocken war und die Vorhersage so viel versprechend klang, dass ich Regenjacke und Beinlinge gar nicht erst mitgenommen habe. Jetzt bin ich klatschnass und mir ist kalt. Um genau zu sein: arschkalt. Der Gedanke ans Aufgeben taucht auf und ist auch schon wieder weg – ich will vor der Salzkammerguttrophy wenigstens einmal testen, wie ich auf einer echten Langstrecke klar komme. Also weiter. Bibbernd in den nächsten Anstieg, endlich wird es mir wieder warm. Es hört kurz auf zu regnen, nur um Sekunden später noch stärker zu schütten. Aus Schutt wird wieder Hagel, diesmal sind die Körner taubeneigroß. Ich zerre die Windjacke aus der Trikottasche, streife sie über aber wirklich viel bringt es nicht: zu nass, zu dünn und die Hagelkörner, die von oben prasseln sind einfach zu dick. Autsch. Ich rolle auf eine Gruppe auf, die noch langsamer ist als ich, der letzte schaut mich an – seine Gesichtsmuskeln zucken rhythmisch: Schüttelfrost. Endlich der nächste Anstieg. Warm. Die nächste Abfahrt. Eiskalt. Schlamm dringt in jede Ritze, die Schaltung rebelliert, jeder Schluck aus der Trinkflasche schmeckt erdig – lecker. Ein Schild an der Strecke verrät: noch 40 Kilometer. Anstieg. Warm. Abfahrt. Kalt. Dann reißt die Wolkendecke kurz auf, der Regen wird zum Nieseln, ich erreiche Aftersteg und treffe Swantje. Abhalten, Flasche austauschen, und schon stampfe ich unter ohrenbetäubenden Gebrüll der Zuschauer, die trotz des miesen Wetters große Ausdauer beweisen, die Alpe de Fidlebrugg hoch. Noch ein Berg, noch eine Abfahrt. Und wie zum Hohn reißt jetzt die Wolkendecke auf, Sonnenstrahlen blitzen durchs düstere Grau und schlagartig erhellt sich die Stimmung. Bei den Zuschauern an der Strecke, bei den Mitfahrern. Der immer noch peitschende Wind hat die letzte Asphalt-Abfahrt trocken geföhnt, endlich kann ich es auch mit meinem abgefahrenen Racing Ralph auf dem Hinterrad mal krachen lassen. Abzweig Campingplatz, eine Stadionrunde und ich habe es überlebt: das extremste Rennen, das ich jemals gefahren bin. Und die Zeit? Eigentlich nebensächlich bei einem solchen Rennen, aber immerhin kann ich mit 5 Stunden 45 Minuten deutlich unter der 6-Stunden-Marke bleiben und auch die Platzierung passt: Platz 69 gesamt (von 986) und Platz 20 in der Altersklasse.


Von Sonthofen an den Achensee: Die Craft Bike TransGermany 2011.
Sonthofen. Nach einer grausig-lauten Nacht mit wenig Schlaf sitze ich mit Swantje im Frühstücksraum unserer Pension. Um mich herum nur andere Teilnehmer der Craft Bike TransGermany, die alle einen wesentlich wacheren Eindruck machen als ich selbst. Nur gut, dass ich bis zum Startschuss noch reichlich Zeit habe aufzuwachen. Der Kaffee, der mir dabei helfen soll, ist leider ungenießbar. Filterkaffee. Bäh. Noch ein Nutellabrötchen und schon ist es Zeit, zum Start zu rollen. Im Trockenen. Nach der Vorhersage und den sintflutartigen Regenfällen von gestern Abend ein echter Lichtblick und absolut unerwartet. Schon beim Warmfahren merke ich: ich bin viel zu dick eingepackt. Und leider merke ich auch: die Beine fühlen sich nicht so gut an, wie erhofft. Dennoch bin ich noch guter Dinge, als ich in den Startblock rolle und mich direkt hinter den Profis einsortiere. Noch 20 Minuten bis zum Start. Warten. Beinlinge loswerden. Armlinge loswerden. Noch 15 Minuten. Warten nervt. Zum Glück gibt es den Moderator, der für Stimmung sorgt. Und nebenbei erwähnt, dass der Start der letzten Etappe von 9.00 auf 7.30 Uhr vorverlegt wurde.


Pfronten. Das Abendessen in unserer Pension zusammen mit Swantje und ihren Eltern hat gut getan. Im Vergleich zum Ende der gestrigen Etappe fühle ich mich pudelwohl und endlich konnte ich mal durchgeschlafen. Auch das Wetter scheint mitzuspielen: durch den Nebel, der schwer an den Bergen und im Tal hängt, kann man schon ab und zu einen Blick auf den blauen Himmel erhaschen. Schnell wechsle ich noch auf das Laufrad mit dem rasenden Ralf, schwinge mich aufs Bike und verabschiede mich zum Warmfahren. 10 Minuten Ga1, 4 Minuten GA2, 2 Minuten EB. Ich suche mir einen flachen Abstieg und los. Im GA1-Bereich bin ich schnell, doch dann ist Schluss. Wie gestern bekomme ich den Puls nicht mehr nach oben. Auch der Druck auf dem Pedal fehlt völlig. Frustriert und nach möglichen Ursachen suchend rolle ich zum Start. Klamotten abgeben, Highway to hell, Startschuss. Neutralisiert wird das Feld aus Pfronten geführt. Direkt in den ersten Berg des Tages. Ich ignoriere Beine und Puls und versuche das Tempo anzuziehen. Doch es passiert – nix. Ich kann mitfahren, aber forcieren und angreifen ist nicht drin. Ich überstehe mit Mühe den ersten Berg und biege ein in die Abfahrt vom Himmelreich. Und die wird ihrem Namen gerecht: endlich ein Trail und dann gleich so ein schöner. Flowig in vielen Kehren windet er sich ins Tal, ab und zu sorgen nasse Steinstufen für zusätzlich Spannung. Ich vergesse mit der Form und dem Schicksal zu hadern und genieße die Abfahrt so sehr, dass ich auch den folgende Anstieg zum Lohmoos deutlich schneller und entspannter zurück lege als den ersten. Am Gipfel erwische ich mit dem Glück des Tüchtigen gerade noch so die Gruppe vor mir und beschließe, mich zumindest bis zum Adlerhorst mitschleppen zu lassen.


Lermoos. 6.00 Uhr. Raus aus den Federn. Dusche, dann zum Frühstück. Ich mache die Tür zum Frühstücksraum auf – keiner da. Merde. Hieß es gestern Abend nicht: Frühstück ab 6.20 Uhr? Die ersten anderen Biker tauchen auf, ratlose Blicke, keine Antworten. OK, erst mal ums Bike kümmern, um keine Zeit zu verlieren. 30 Minuten später: die Pensionswirtin ist aufgetaucht. Verschlafen. Jetzt aber schnell. Ca 20 Mitstreiter fallen wie hungrige Wölfe sofort über alles her, was aus der Küche auftaucht. Nur gut, dass ich einen optimalen Zugang zum Buffet habe und mir den größten Teil des Kranzkuchens schnappen kann, bevor es zu spät ist. Zurück ins Zimmer. Der Aufzug kommt nicht, also nehme ich die Treppe. Aua. Die Beine fühlen sich immer noch gar nicht gut an. Eine Einschätzung, die sich kurz später bestätigt: wie Gestern geht schon beim Warmfahren nix. Na toll. Werde also wieder die Landschaft genießen. Deutschlands höchster Berg von allen Seiten – heute steht die Umrundung der Zugspitze auf dem Plan. Am Startblock angekommen, stelle ich zu meiner Überraschung fest: ist schon voll. Muss wohl am guten Wetter liegen, da steht jeder früher auf. Aber egal – heute werde ich eh nicht viel reißen. Dann ein tiefes Kawumm – Lermoos verabschiedet uns mit Kanonendonner. Mit Karacho geht die Meute in den ersten Anstieg rauf zur Tuftlam und ich werde mitgerissen. Puls? Egal, Beine? Egal.


Garmisch: das heißt Start um 7.30 Uhr und eine Etappe die eigentlich drei sind, weil zwischen den gewerteten Teilstücken am Anfang und Ende neutralisierte 30 Asphaltkilometer liegen. Garmisch: Das heißt auch: Kuhglocken, die mich pünktlich um 5.00 Uhr wecken, als die dazugehörigen Kühe durch die Straße vor dem Hotel zur Weide getrieben werden. Und Garmisch heißt auch: Rosinenkuchen mit Nutella zum Frühstück auf dem Zimmer, weil das Hotel auch trotz guten Zuredens nicht bereit ist, ein extra frühes Frühstück anzubieten. Die wollen Olympia? Hoffentlich bekommt ein wirklich für alle Sportarten offener Ort den Zuschlag. Aber ich schlucke den Ärger genauso runter wie den Nutellarosinenkuchen zuvor und rolle zum Start. Wieder ist der Startblock voll. Aber weiter vorne steht Joe. Ich schmuggle mich an allen anderen vorbei und stelle mich zu ihm. Heute zu weit hinten zu starten wäre fatal, denn die ersten Kilometer der ersten Teiletappe sind flach. Wer da nicht sofort Anschluss an die schnellen Gruppen findet, kann das Rennen schon am Start abhaken. Im Gegensatz zu den anderen Tagen ist es leise heute: die Veranstalter wollen die Garmischer und ihre wohl als zahlungskräftiger eingeschätzte Kundschaft im Greisenalter nicht wecken. Rücksichtsvoll. Erst 5 Minuten vor dem Start wird es dann laut. Ein letztes mal "Highway to hell" und das Feld setzt sich wie eine zähe Masse langsam in Bewegung. Denn klar, auch der Start ist hier neutralisiert: viel zu langsam zuckeln Polizei und Führungsfahrzeug vor uns her, von hinten drängen immer mehr Biker nach vorne, die Straßen sind dafür zu schmal. Alle 5 Minuten kracht und scheppert es irgendwo – Stürze en Masse, kurz danach ein Zwischenstopp an einer geschlossenen Bahnschranke. Wieder ballt sich das komplette Feld zusammen, wieder Stürze. Ich versuche mich aus allem rauszuhalten und verzichte darauf, meinen guten Startplatz mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Die Konsequenz: als das Rennen endlich scharf eröffnet wird, bin ich ziemlich weit nach hinten gefallen. Also schnell wieder nach vorne. Ich springe von Gruppe zu Gruppe, überhole an allen möglichen und unmöglichen Stellen – um ein paar Minuten später auf den nächsten Stau aufzufahren.


Schlagartig bin ich wirklich wach.WTF? Meint der das ernst? Ich frage Joe, der direkt neben mir steht. Joe nickt. Scheiße. 7.30 Uhr. Das heißt Aufstehen um 5.00. Super. Zum Glück fällt da auch schon der Startschuss – der Ärger entlädt sich in einem Hammerstart. Leider werde ich genauso schnell wie ich gestartet bin auch wieder ausgebremst – der Start ist neutralisiert und es hilft nix: ich muss mich ins Feld einsortieren. In Zweierreihe kurbeln wir rauf nach Hofen, dann wird das Rennen endlich wirklich aufgenommen und es heißt Tempo machen. Immerhin ist das hier heute mein Terrain: viele Höhenmeter auf relativ wenigen Kilometern. Für mich heißt das: Heute muss ich Zeit und Plätze gut machen, um sie auf den langen Bolzerabschnitten der beiden letzten Tage zu verteidigen. Und es gelingt: Bis zur Strausbergalpe und der Rodlerhütte kann ich mich ziemlich problemlos weit vorne halten, auch auf der rasend schnellen Asphalt-Abfahrt nach Bad Hindelang verliere ich kaum Plätze. Rauf zum Höllatsberg, runter, rauf zur Schnitzlertal-Alpe. das läuft heute echt viel besser als erwartet. Guter Dinge erreiche ich Jungholz und die zweite Verpflegungsstation. Ich muss kurz halten, um die Flasche aufzufüllen, hoffe aber, die enteilte Gruppe schnell wieder einzuholen. Doch die Hoffnung stirbt schnell: Ich verliere die Satteltasche und muss erneut stoppen. Die Gruppe ist endgültig weg und – dummerweise – auch die Form. Die kurze Zwangspause hat mich völlig aus dem Tritt gebracht, auch der Puls bleibt im Keller. Jetzt heißt es kämpfen: mit schweren Beinen und letzter Kraft erreiche ich den Elendsberg, der eigentlich Edelsberg heißt und schleppe mich die letzten Kilometer bis ins Ziel. Passend zu meiner Stimmung regnet es auch wieder und außerdem ist es saukalt. Kurz werden Erinnerungen an die TransGermany 2010 wach, aber schon eine Bratwurst später ist die Welt wieder halbwegs in Ordnung. Aber jetzt schnell ins Hotel – ab unter die warme Dusche.


Pfronten. Das Abendessen in unserer Pension zusammen mit Swantje und ihren Eltern hat gut getan. Im Vergleich zum Ende der gestrigen Etappe fühle ich mich pudelwohl und endlich konnte ich mal durchgeschlafen. Auch das Wetter scheint mitzuspielen: durch den Nebel, der schwer an den Bergen und im Tal hängt, kann man schon ab und zu einen Blick auf den blauen Himmel erhaschen. Schnell wechsle ich noch auf das Laufrad mit dem rasenden Ralf, schwinge mich aufs Bike und verabschiede mich zum Warmfahren. 10 Minuten Ga1, 4 Minuten GA2, 2 Minuten EB. Ich suche mir einen flachen Abstieg und los. Im GA1-Bereich bin ich schnell, doch dann ist Schluss. Wie gestern bekomme ich den Puls nicht mehr nach oben. Auch der Druck auf dem Pedal fehlt völlig. Frustriert und nach möglichen Ursachen suchend rolle ich zum Start. Klamotten abgeben, Highway to hell, Startschuss. Neutralisiert wird das Feld aus Pfronten geführt. Direkt in den ersten Berg des Tages. Ich ignoriere Beine und Puls und versuche das Tempo anzuziehen. Doch es passiert – nix. Ich kann mitfahren, aber forcieren und angreifen ist nicht drin. Ich überstehe mit Mühe den ersten Berg und biege ein in die Abfahrt vom Himmelreich. Und die wird ihrem Namen gerecht: endlich ein Trail und dann gleich so ein schöner. Flowig in vielen Kehren windet er sich ins Tal, ab und zu sorgen nasse Steinstufen für zusätzlich Spannung. Ich vergesse mit der Form und dem Schicksal zu hadern und genieße die Abfahrt so sehr, dass ich auch den folgende Anstieg zum Lohmoos deutlich schneller und entspannter zurück lege als den ersten. Am Gipfel erwische ich mit dem Glück des Tüchtigen gerade noch so die Gruppe vor mir und beschließe, mich zumindest bis zum Adlerhorst mitschleppen zu lassen.
Guter Plan. Die Umsetzung aber lässt zu wünschen übrig.Das kurze Zwischenhoch ist schon wieder vorbei. Mehr als GA2 ist nicht drin, schon an der zweiten kleinen Welle muss ich abreißen lassen. Dazu rollen mich von hinten ständig weitere Gruppen auf, die ich auch nur kurz halten kann. Je weiter ich nach hinten durchgereicht werde, desto zäher wird das Ringen um jeden Meter – bis ich beschließe, das Rennen aufzugeben. Umschalten in den Trainingsmodus. Ich nehme ein paar Gänge raus und kurble jetzt relativ locker, aber auch ziemlich langsam weiter. Immerhin hat sich der Nebel mittlerweile verzogen und die Landschaft ist echt schön. Rotlech-Stausee, Rinnen, der letzte Anstieg nach Berwang ein paar letzte fiese kurze, aber knackige Rampen und dann ab in die Freeride-Abfahrt nach Lermoos. Zieldurchfahrt, Trost von Swantje, ein Riesenteller Spaghetti Bolognese und ein halber Kaiserschmarrn sorgen dafür, dass die Laune nicht ganz am Boden bleibt.


Lermoos. 6.00 Uhr. Raus aus den Federn. Dusche, dann zum Frühstück. Ich mache die Tür zum Frühstücksraum auf – keiner da. Merde. Hieß es gestern Abend nicht: Frühstück ab 6.20 Uhr? Die ersten anderen Biker tauchen auf, ratlose Blicke, keine Antworten. OK, erst mal ums Bike kümmern, um keine Zeit zu verlieren. 30 Minuten später: die Pensionswirtin ist aufgetaucht. Verschlafen. Jetzt aber schnell. Ca 20 Mitstreiter fallen wie hungrige Wölfe sofort über alles her, was aus der Küche auftaucht. Nur gut, dass ich einen optimalen Zugang zum Buffet habe und mir den größten Teil des Kranzkuchens schnappen kann, bevor es zu spät ist. Zurück ins Zimmer. Der Aufzug kommt nicht, also nehme ich die Treppe. Aua. Die Beine fühlen sich immer noch gar nicht gut an. Eine Einschätzung, die sich kurz später bestätigt: wie Gestern geht schon beim Warmfahren nix. Na toll. Werde also wieder die Landschaft genießen. Deutschlands höchster Berg von allen Seiten – heute steht die Umrundung der Zugspitze auf dem Plan. Am Startblock angekommen, stelle ich zu meiner Überraschung fest: ist schon voll. Muss wohl am guten Wetter liegen, da steht jeder früher auf. Aber egal – heute werde ich eh nicht viel reißen. Dann ein tiefes Kawumm – Lermoos verabschiedet uns mit Kanonendonner. Mit Karacho geht die Meute in den ersten Anstieg rauf zur Tuftlam und ich werde mitgerissen. Puls? Egal, Beine? Egal.
Einfach dranbleiben, beißen und nicht abreißen lassen.Wie ein Mantra hämmere ich mir immer wieder ein: nur zwei Anstiege überstehen, dann eine gute Gruppe erwischen und einfach nur mitgehen. Schneller als gedacht sind wir oben, eine krachende Asphaltabfahrt später auch schon wieder unten in Lermoos. Ich freue mich, als ich Swantje sehe, die Anfeuerung gibt einen Extra-Schub. Im Moos verliere ich die Kette, finde aber direkt wieder Anschluss an eine gut laufende Gruppe und schon biegen wir ab in den Steilanstieg rauf zur Ehrwalder Alm. Wieder beißen. Und dranbleiben. Bloß die Gruppe nicht verlieren. Doch die Jungs sind schnell und meine Beine sind schwer – aber gerade, als ich kurz davor bin, das Handtuch zu werfen, wird es flacher und der Gipfel kommt in Sicht. Noch ein letztes Mal in den Wiegetritt, dann hänge ich wieder wie eine Klette am Ende der Gruppe. Die nächsten 40 Kilometer sind easy, aber rasend schnell. Mit über 40 km/h heizen wir über die Gaistalalm und Leutatsch zum Ferchensee. Ich halte mich mittlerweile immer schön in der Mitte der Gruppe und lasse mich auch im kurzen Zwischenanstieg rauf zum See nicht abhängen. Weitere fünf wellige Kilometer, dann endlich der Schlussanstieg ins vorverlegte Ziel an der Partnachalm. Schnell wird die Gruppe kleiner und kleiner, doch zu meiner Verwunderung kann ich das Tempo vorne mitbestimmen. Da geht doch noch was! Ich gebe noch mal Gas und schaffe es nicht nur, mich von meinen verbliebenen Mitstreitern abzusetzen, sondern sammle nach und nach einen Konkurrenten nach dem anderen ein. Dann das 500-Meter-Schild, ein letzter Bergsprint und ich bin drin. Zufrieden rolle ich locker runter nach Garmisch, verzichte auf den Scott-Zielsprint und freue mich über dass heute alles in allem ganz brauchbare Ergebnis.


Garmisch: das heißt Start um 7.30 Uhr und eine Etappe die eigentlich drei sind, weil zwischen den gewerteten Teilstücken am Anfang und Ende neutralisierte 30 Asphaltkilometer liegen. Garmisch: Das heißt auch: Kuhglocken, die mich pünktlich um 5.00 Uhr wecken, als die dazugehörigen Kühe durch die Straße vor dem Hotel zur Weide getrieben werden. Und Garmisch heißt auch: Rosinenkuchen mit Nutella zum Frühstück auf dem Zimmer, weil das Hotel auch trotz guten Zuredens nicht bereit ist, ein extra frühes Frühstück anzubieten. Die wollen Olympia? Hoffentlich bekommt ein wirklich für alle Sportarten offener Ort den Zuschlag. Aber ich schlucke den Ärger genauso runter wie den Nutellarosinenkuchen zuvor und rolle zum Start. Wieder ist der Startblock voll. Aber weiter vorne steht Joe. Ich schmuggle mich an allen anderen vorbei und stelle mich zu ihm. Heute zu weit hinten zu starten wäre fatal, denn die ersten Kilometer der ersten Teiletappe sind flach. Wer da nicht sofort Anschluss an die schnellen Gruppen findet, kann das Rennen schon am Start abhaken. Im Gegensatz zu den anderen Tagen ist es leise heute: die Veranstalter wollen die Garmischer und ihre wohl als zahlungskräftiger eingeschätzte Kundschaft im Greisenalter nicht wecken. Rücksichtsvoll. Erst 5 Minuten vor dem Start wird es dann laut. Ein letztes mal "Highway to hell" und das Feld setzt sich wie eine zähe Masse langsam in Bewegung. Denn klar, auch der Start ist hier neutralisiert: viel zu langsam zuckeln Polizei und Führungsfahrzeug vor uns her, von hinten drängen immer mehr Biker nach vorne, die Straßen sind dafür zu schmal. Alle 5 Minuten kracht und scheppert es irgendwo – Stürze en Masse, kurz danach ein Zwischenstopp an einer geschlossenen Bahnschranke. Wieder ballt sich das komplette Feld zusammen, wieder Stürze. Ich versuche mich aus allem rauszuhalten und verzichte darauf, meinen guten Startplatz mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Die Konsequenz: als das Rennen endlich scharf eröffnet wird, bin ich ziemlich weit nach hinten gefallen. Also schnell wieder nach vorne. Ich springe von Gruppe zu Gruppe, überhole an allen möglichen und unmöglichen Stellen – um ein paar Minuten später auf den nächsten Stau aufzufahren.
Ein geschlossenes Viehgatter. Durchgang nur für eine Person.Ich könnte kotzen. Wieder vergeht wertvolle Zeit, dann endlich bin ich durch. Jetzt aber los. Ich drücke aufs Tempo und versuche irgendeine schnelle Gruppe zu finden, doch ich bin auf mich alleine gestellt. Entweder sind die, auf die ich auffahre zu langsam, oder haben keine Lust auch mal selbst das Tempo zu machen. Naja – gestern habe ich gelutscht, heute muss ich eben dafür büßen und fahre bis zum Ziel der ersten Teilstücks eine Stunde mehr oder weniger alleine im Wind. Im Ziel schnell die Flasche auffüllen und weiter. Ich habe keine Lust zu parken und mich zu erholen, ich will jetzt einfach schnell zum Achensee. Zusammen mit ein paar Norwegern und einem Franzosen nehme ich den nicht gezeiteten Abschnitt recht zügig, ab und zu fahren wir auf größere Gruppen auf, hängen uns dran, um sie dann doch zu überholen: zu sehr Bummelzug. Noch mal Verpflegung, dann der scharfe Start in das letzte Teilstück dieser Etappe. Ich gehe davon aus, dass meine Mitfahrer auch sofort durchstarten und fahre über die Zeitnahme-Matte "Pieps". Doch kein weiteres "Pieps" ist zu hören. Ich schaue mich um und stelle fest, dass die anderen noch an der Verpflegung parken. Ein blöder taktischer Fehler – die Zeit läuft und ich muss fahren. Noch mal gute 10 Kilometer alleine im Wind. Dann endlich der erste und einzige wirkliche Berg des Tages. Der mir prompt den Stecker zieht. Kein Puls, kein Druck. Müde schleppe ich mich hoch, nehme die Bergwertung kaum wahr und gehe in die letzten 25 Kilometer zum Achensee. Wieder Gegenwind, wieder alleine. Dann kommt von hinten endlich eine Gruppe angerauscht und zusammen schaffen wir bis es kurz vors Ziel. Dann eine scharfe Kehre, ins Bild schiebt sich ein Wakeboarder mit kompletter Ausrüstung. Er latscht genau vor mir mitten über den Weg, Vollbremsung, ein paar wüste Beschimpfungen und ich bin wieder alleine auf mich gestellt. Noch drei Kilometer trete ich was das Zeug hält, dann sehe ich den roten Zielbogen. Noch eine Linkskurve und ich bin da – als Finisher der Craft Bike TransGermany 2011. Und endlich auch nicht mehr allein. Im Ziel begrüßen mich Swantje und ihre Eltern, dann Medaille, Finishertrikot, Zielbier, Bikewash und ab ins Zielrestaurant: Eine Currywurst mit Pommes bitte.


Craft Bike Trans Germany 2011: Durchwachsenes Rennen, schönes Training

Samstag, 04.06.2011 – ich stehe zusammen mit Swantje und ihren Eltern im Ziel der Craft Bike TransGermany und trinke seit langem wieder mal ein Bier. Alkoholfrei. Um den Hals baumelt noch die Finishermedaillie, um mich herum überall ausgelassen jubelnde Racer. Mir selbst ist nicht wirklich nach Feiern zumute – mit Platz 43 habe ich zwar mein Minimalziel unter die Top 50 der Altersklasse zu fahren erreicht, aber so richtig glücklich bin ich damit auch nach ein paar Tagen Abstand noch nicht. Denn was eigentlich als Rennen geplant war, wurde mangels Druck auf dem Pedal nur zu einem etwas intensiverem Trainingsblock. Aber was soll's – die Strecke war alles in allem schön, das Wetter super und auch die Stimmung im Feld und das Drumherum passte. Das die Form irgendwo zwischen der letzten Trainingseinheit und dem Start zur ersten Etappe verloren ging, ist so zumindest halbwegs verschmerzbar – auch wenn mir nach wie vor jede Erklärung dafür fehlt. Alles weitere, ausführlichere Etappen-Berichte und Fotos demnächst hier.
Mit langem Anlauf auf Platz 6. Der Schinderhannes Bikemarathon 2011
Samstag, 21.05.2011. Ich stehe im Wald. Vögel zwitschern, ein Bach plätschert. Rechts von mir müsste der Keilerskopf sein. Müsste. Ganz sicher bin ich mir nicht. Mist. Wäre ich nur auf dem ausgeschilderten Weg geblieben. Doch der Trail, auf den ein paar Kilometer vorher zufällig stieß, war einfach zu verlockend. Karte habe ich keine dabei und auch das GPS liegt zu Hause. Prima. Also rechts. Oder doch links? Ich entscheide mich für rechts. Wieder ein paar Kilometer und Höhenmeter extra. Ich ballere eine halbe Stunde kreuz und quer durch den Wald, dann endlich ein Schild. Ein schwarzes T mit blauem Kreuz. Der Taunushöhenweg. Ich bin wieder auf der Spur. Richtung Hunsrück – zum Schinderhannes Bikemarathon in Emmelshausen. Geplant war, den Marathon direkt im Anschluss an eine ordentliche Trainingseinheit zu fahren, schließlich fehlen mir einige Trainingsstunden und -kilometer in diesem Jahr. Also Anreise mit dem Rad. Toller Plan. Doch mit jedem Kilometer, den ich zurücklege, steigen meine Zweifel. Als ich mich in Schlangenbad – ein Käsekuchen und eine Cola bitte – wieder auf den Weg mache, bin ich mir sicher: das Rennen findet ohne mich statt. Der neue Plan: mit dem Bike entspannt an Rhein und Main entlang wieder zurück. Dafür gebe ich jetzt noch mal richtig Gas. Mit brennenden Beinen erreiche ich Rüdesheim und vereinbare mit Swantje, dass sie mich kurz nach Bingen mit dem Auto aufpicken wird. Die letzten langweiligen Teerkilometer zu meinen Eltern will ich mir ersparen. Ok, in Wirklichkeit bin ich platt. Ich fahre noch bis Weiler, dann lasse ich es gut sein. Bilanz: 128 Kilometer, 2748 Höhenmeter. Auf zur Grillparty bei meinen Eltern – nur gut, dass ich morgen kein Rennen fahre.



Fazit des Wochenendes: 200 Kilometer, über 4400 Höhenmeter, eine Grillparty, ein schönes Rennen und ein prima Ergebnis
Sonntag, 22.05.2011. Ich stehe im Wald. Vögel zwitschern, ein Moderator zählt den Countdown bis zum Start. Drei, zwei, eins – und los.Zusammen mit knapp 330 weiteren Bikern stürze ich mich in die Mittelstrecke des Schinderhannes Bikemarathons. Zufällig bin ich heute morgen rechtzeitig genug wach geworden, um doch noch an den Start gehen zu können. Die Beine fühlen sich OK an, das Wetter passt und außerdem ist es irgendwie doch auch ein Heimrennen. Also hechle ich jetzt mit zusammengebissenen Zähnen hinter der Spitze her. Zumindest während der Einführungsrunde will ich dranbleiben. Zu meiner Überraschung gelingt mir das. Und das nicht nur während der ersten 4 Kilometer, sondern deutlich länger. Ich bin in der zweiten Gruppe nach dem Führungstrio und kann mich dort problemlos halten – jedenfalls solange es bergauf oder steiler bergab geht. Auf den flachen Bolzerpassagen muss ich dagegen kämpfen – aber ich beiße mich fest. Die nächsten 150 Rennminuten ändert sich wenig. Die Gruppe bleibt stabil und nur die Führungsposition ändert sich ständig. Ich merke, dass ich bergauf schneller fahren könnte, scheue aber davor zurück, alleine wegzufahren. Schöne Abwechslung: Swantje, meine Eltern und mein Bruder an der Strecke, die mich anfeuern und verpflegen. Kurz danach begehe ich einen dummen taktischen Fehler: Kurz bevor es in einen der vielen schnellen, aber nassen und etwas schmierigen Trails geht, finde ich mich am Ende der Gruppe wieder. Direkt hinter dem schwächsten Abfahrer, der prompt abreißen lässt. Keine Chance, zu überholen und vorne verschwindet die Gruppe. Mist. Noch hoffe ich darauf, sie zusammen mit meinem Vordermann wieder einholen zu können, doch ein paar Minuten später rollt er an den Rand. Platten. Genau am Ausgang des Trails. Die Gruppe ist außer Sicht, alleine habe ich auf dem folgenden langen, flachem Streckenabschnitt keine Chance, sie wieder einzuholen. Die nächsten 30 Minuten verbringe ich allein. Von hinten droht keine Gefahr mehr, nach vorne geht auch nicht mehr viel. Am letzten Anstieg kommt dann plötzlich einer meiner früheren Begleiter in Sicht. Ich gebe noch mal Gas, schaffe es gerade noch so vor dem letzten Flachstück in seinen Windschatten und nutze kurz später den allerletzten kleinen Mini-Anstieg, um ihn zu übersprinten. Noch eine Kehre, Blick zurück, ich bin alleine, und ab durchs Ziel. Als 17. der Gesamtwertung und 6. der Altersklasse.
Fazit des Wochenendes: 200 Kilometer, über 4400 Höhenmeter, eine Grillparty, ein schönes Rennen und ein prima Ergebnis
WorldclassChallenge Offenburg 2011. Zu spät aufgewacht.
05.40 Uhr. Der Wecker meines Handys klingelt Swantje und mich erbarmungslos aus dem Schlaf. Kurzentschlossen sind wir in den Schwarzwald gereist – nicht für ein gemütliches Schlemmerwochenende, sondern zur Worldclass Marathon Challenge in Offenburg. Start wie immer viel zu früh: schon um 08.00 Uhr werden die Teilnehmer auf die Strecke geschickt. Also aufstehen. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen, ein kurzer Blick nach draußen. Wolkig. Trocken. Immerhin, gestern bei der Anreise hat es noch geschüttet wie aus Kübeln. 2o Minuten später. Frühstück. Alles da was man braucht. Nur der Kaffee zieht mir die Schuhe aus. Deutscher Filterkaffee ist echt eine total unnötige Erfindung. Vor allem, wenn man gerade erst aus Italien zurück ist. Schnell runterwürgen, alles ins Auto packen und ab zum Start. Block 1. Im Gegensatz zu Riva hat der Veranstalter für einen Lizenzblock gesorgt. Hier aber eigentlich unnötig, denn es gibt genug Möglichkeiten zu überholen und es sind auch deutlich weniger Starter. Noch 5 Minuten. Pünktlich setzt sich die Sonne durch, ich werde noch noch schnell Jacke und Beinlinge bei Swantje los, dann geht es los. Mit über 40 km/h raus aus Offenburg. Ein paar Reihen vor mir fährt Karl Platt.



Epilog: Ich suche mich vergebens in der Ergebnisliste. Frage mich, ob der Transponder vielleicht defekt war. Dann die überraschende Erkenntnis: Der Veranstalter hat mich bei den Profis gewertet. Werde jetzt wohl oder Übel mein Training verschärfen müssen, um den Lorbeeren gerecht zu werden ...
Ich habe Angst zu überziehen, nehme Tempo raus und hänge mich in eine etwas langsamere Gruppe.Dann der erste Anstieg. Es läuft gut, aber nicht sehr gut. Denn für mich sind die Anstiege insgesamt ein wenig zu kurz, auf den flacheren Tempobolzerpassagen dazwischen habe ich Nachteile. Bin dafür einfach zu leicht. Die anderen rollen fast schneller bergab, als ich treten kann. Aber Spaß macht es. Die Strecke ist technisch zwar anspruchslos, aber superschnell und superschön. Außerdem sehe ich Swantje gleich drei mal. Das motiviert zusätzlich. Also noch mal aufs Gas drücken und Angriff. Am letzten längeren Anstieg rolle ich noch mehrere Mitstreiter auf, aber mehr als Platz 20 in der Altersklasse ist nicht mehr drin. Trotz Fullspeed beim finalen Zickzack zurück durch die Weinberge nach Offenburg. Aber immerhin: unter 4 Stunden für 84 Kilometer und 2600 Höhenmeter und nicht restlos ausgepowert. Habe nach dem Start doch zu viel Tempo rausgenommen. Fazit: auch im dritten Rennjahr muss ich an der Taktik noch feilen.
Epilog: Ich suche mich vergebens in der Ergebnisliste. Frage mich, ob der Transponder vielleicht defekt war. Dann die überraschende Erkenntnis: Der Veranstalter hat mich bei den Profis gewertet. Werde jetzt wohl oder Übel mein Training verschärfen müssen, um den Lorbeeren gerecht zu werden ...
Worldclass Marathon Challenge Offenburg 2011. Bolzen gehen.
Nach dem unglücklichen Aus in Riva habe ich kurzentschlossen für die Worldclass Marathon Challenge in Offenburg gemeldet. Versuche mal wieder über Rennen in Form zu kommen, da ich mich für das Training auf der Rolle nach 10 Tagen Gardasee einfach nicht wirklich begeistern kann. Reise also mit minimaler Vorbereitung an – mal sehen was daraus wird ...
Bikefestival Riva del Garda 2011: Dumm gelaufen.
"AAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHH" Mein wütender Schrei ist sicher bis runter nach Riva zu hören. Selbst stehe ich auf einer der typischen Gardasee-Schotterrampen bei Kilometer 53 des Riva del Garda-Bikemarathons. Die Kurbel sitzt fest, lässt sich nicht mehr drehen. Wie es aussieht: Lagerschaden. Fahrer um Fahrer ziehen an mir vorbei und ich bin aus dem Rennen. Fluchend nehme ich den langen Weg zur nächsten Verpflegungsstelle wieder auf. Zu Fuß. Schiebend. Bergab kann ich es rollen lassen, berghoch laufe ich. 7 Kilometer später erreiche ich die Verpflegungsstelle, überlege kurz wenigstens die Ronda Grande zu finishen, aber weitere 20 Kilometer laufen und rollen? Um dann in der Ergebnisliste irgendwo am Ende zu stehen? Sinnlos. Ich pfeffere stinksauer mein Bike in die Büsche und gebe das Rennen endgültig auf. Glück im Unglück: es gibt einen Besenwagen und ich werde abgeholt. "Wann?" "Eine Stunde". "Eine Stunde?" "Si." Es wird eine sehr bittere Stunde. Zu viele Biker ziehen an mir vorbei und jede Minute wird mir klarer, wie weit ich mich schon durchs große Feld nach vorne gekämpft hatte. Alles umsonst. Das Tempogebolze auf den ersten 5 Asphaltkilometern, das Vorbeilaufen am Stau am ersten Anstieg und auch die wilden Attacken auf den wenigen Streckenabschnitten, an denen ich wirklich mal freie Fahrt hatte. Schade – aber nicht mehr zu ändern.
Epilog: Im Ziel angekommen, fanden die Specialized-Mechaniker die Ursache schnell: die Schrauben des kleinen Kettenblatts hatten sich gelöst und in den Rahmen gefräst. Kein Lagerschaden also, sondern nur eine zerfurchte Lageraufnahme. Ob ich mich darüber jetzt freuen soll, weiß ich auch zwei Tage später noch nicht...


Epilog: Im Ziel angekommen, fanden die Specialized-Mechaniker die Ursache schnell: die Schrauben des kleinen Kettenblatts hatten sich gelöst und in den Rahmen gefräst. Kein Lagerschaden also, sondern nur eine zerfurchte Lageraufnahme. Ob ich mich darüber jetzt freuen soll, weiß ich auch zwei Tage später noch nicht...
TopTen beim Auftakt beim Kellerwald Bike-Marathon 2011
Der Kellerwald BikeMarathon 2011: Saukalt, sauschnell, trocken, staubig, Startplatz ganz hinten, Spitze nach neutralem Start schon 6 Minuten weg, keine schnellen Gruppen, alleine im Wind. Trotzdem gut unterwegs, besonders am Berg mit Leistung sehr zufrieden, Abfahrten genossen. 80 Kilometer, 2055 Höhenmeter, 3 Stunden 35 Minuten, 3 Gels, 1 Bratwurst, 1 Pommes. Und mit Platz 10 in der Altersklasse in einem sehr stark besetzen Feld gleich im ersten Rennen eine TopTen-Platzierung eingefahren. Passt.



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