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Samstag, 9. Juni 2012
Craft Bike TransGermany: die Schlussetappe
Letzte Etappe der Craft Bike TransGermany von Seefeld nach Garmisch. Und blieben die Teilnehmer bisher vom Regen verschont, traf es sie heute umso heftiger: Dauerberieselung auf der ganzen Strecke, aber irgendwie wäre eine TransGermany ohne Regen ja auch nicht komplett. Nichts anhaben konnte das Wetter den Gesamtführenden bei den Männern und Frauen – Cristoph Sauser und Milena Landtwing fahren ihre Führung souverän nach Hause. Auch bei den Mastern bleibt alles beim Alten – Andreas Strobel holt sich den Titel vor Carsten Bresser und Andreas Laner. Nur zu gerne hätte ich gewusst, wie ich im Vergleich zu den absoluten Top-Fahrern meiner Altersklasse abgeschnitten hätte - mal sehen, vielleicht wieder im nächsten Jahr ...


Montag, 7. Mai 2012
Von Sonthofen an den Achensee: Die Craft Bike TransGermany 2011.
Sonthofen. Nach einer grausig-lauten Nacht mit wenig Schlaf sitze ich mit Swantje im Frühstücksraum unserer Pension. Um mich herum nur andere Teilnehmer der Craft Bike TransGermany, die alle einen wesentlich wacheren Eindruck machen als ich selbst. Nur gut, dass ich bis zum Startschuss noch reichlich Zeit habe aufzuwachen. Der Kaffee, der mir dabei helfen soll, ist leider ungenießbar. Filterkaffee. Bäh. Noch ein Nutellabrötchen und schon ist es Zeit, zum Start zu rollen. Im Trockenen. Nach der Vorhersage und den sintflutartigen Regenfällen von gestern Abend ein echter Lichtblick und absolut unerwartet. Schon beim Warmfahren merke ich: ich bin viel zu dick eingepackt. Und leider merke ich auch: die Beine fühlen sich nicht so gut an, wie erhofft. Dennoch bin ich noch guter Dinge, als ich in den Startblock rolle und mich direkt hinter den Profis einsortiere. Noch 20 Minuten bis zum Start. Warten. Beinlinge loswerden. Armlinge loswerden. Noch 15 Minuten. Warten nervt. Zum Glück gibt es den Moderator, der für Stimmung sorgt. Und nebenbei erwähnt, dass der Start der letzten Etappe von 9.00 auf 7.30 Uhr vorverlegt wurde.


Pfronten. Das Abendessen in unserer Pension zusammen mit Swantje und ihren Eltern hat gut getan. Im Vergleich zum Ende der gestrigen Etappe fühle ich mich pudelwohl und endlich konnte ich mal durchgeschlafen. Auch das Wetter scheint mitzuspielen: durch den Nebel, der schwer an den Bergen und im Tal hängt, kann man schon ab und zu einen Blick auf den blauen Himmel erhaschen. Schnell wechsle ich noch auf das Laufrad mit dem rasenden Ralf, schwinge mich aufs Bike und verabschiede mich zum Warmfahren. 10 Minuten Ga1, 4 Minuten GA2, 2 Minuten EB. Ich suche mir einen flachen Abstieg und los. Im GA1-Bereich bin ich schnell, doch dann ist Schluss. Wie gestern bekomme ich den Puls nicht mehr nach oben. Auch der Druck auf dem Pedal fehlt völlig. Frustriert und nach möglichen Ursachen suchend rolle ich zum Start. Klamotten abgeben, Highway to hell, Startschuss. Neutralisiert wird das Feld aus Pfronten geführt. Direkt in den ersten Berg des Tages. Ich ignoriere Beine und Puls und versuche das Tempo anzuziehen. Doch es passiert – nix. Ich kann mitfahren, aber forcieren und angreifen ist nicht drin. Ich überstehe mit Mühe den ersten Berg und biege ein in die Abfahrt vom Himmelreich. Und die wird ihrem Namen gerecht: endlich ein Trail und dann gleich so ein schöner. Flowig in vielen Kehren windet er sich ins Tal, ab und zu sorgen nasse Steinstufen für zusätzlich Spannung. Ich vergesse mit der Form und dem Schicksal zu hadern und genieße die Abfahrt so sehr, dass ich auch den folgende Anstieg zum Lohmoos deutlich schneller und entspannter zurück lege als den ersten. Am Gipfel erwische ich mit dem Glück des Tüchtigen gerade noch so die Gruppe vor mir und beschließe, mich zumindest bis zum Adlerhorst mitschleppen zu lassen.


Lermoos. 6.00 Uhr. Raus aus den Federn. Dusche, dann zum Frühstück. Ich mache die Tür zum Frühstücksraum auf – keiner da. Merde. Hieß es gestern Abend nicht: Frühstück ab 6.20 Uhr? Die ersten anderen Biker tauchen auf, ratlose Blicke, keine Antworten. OK, erst mal ums Bike kümmern, um keine Zeit zu verlieren. 30 Minuten später: die Pensionswirtin ist aufgetaucht. Verschlafen. Jetzt aber schnell. Ca 20 Mitstreiter fallen wie hungrige Wölfe sofort über alles her, was aus der Küche auftaucht. Nur gut, dass ich einen optimalen Zugang zum Buffet habe und mir den größten Teil des Kranzkuchens schnappen kann, bevor es zu spät ist. Zurück ins Zimmer. Der Aufzug kommt nicht, also nehme ich die Treppe. Aua. Die Beine fühlen sich immer noch gar nicht gut an. Eine Einschätzung, die sich kurz später bestätigt: wie Gestern geht schon beim Warmfahren nix. Na toll. Werde also wieder die Landschaft genießen. Deutschlands höchster Berg von allen Seiten – heute steht die Umrundung der Zugspitze auf dem Plan. Am Startblock angekommen, stelle ich zu meiner Überraschung fest: ist schon voll. Muss wohl am guten Wetter liegen, da steht jeder früher auf. Aber egal – heute werde ich eh nicht viel reißen. Dann ein tiefes Kawumm – Lermoos verabschiedet uns mit Kanonendonner. Mit Karacho geht die Meute in den ersten Anstieg rauf zur Tuftlam und ich werde mitgerissen. Puls? Egal, Beine? Egal.


Garmisch: das heißt Start um 7.30 Uhr und eine Etappe die eigentlich drei sind, weil zwischen den gewerteten Teilstücken am Anfang und Ende neutralisierte 30 Asphaltkilometer liegen. Garmisch: Das heißt auch: Kuhglocken, die mich pünktlich um 5.00 Uhr wecken, als die dazugehörigen Kühe durch die Straße vor dem Hotel zur Weide getrieben werden. Und Garmisch heißt auch: Rosinenkuchen mit Nutella zum Frühstück auf dem Zimmer, weil das Hotel auch trotz guten Zuredens nicht bereit ist, ein extra frühes Frühstück anzubieten. Die wollen Olympia? Hoffentlich bekommt ein wirklich für alle Sportarten offener Ort den Zuschlag. Aber ich schlucke den Ärger genauso runter wie den Nutellarosinenkuchen zuvor und rolle zum Start. Wieder ist der Startblock voll. Aber weiter vorne steht Joe. Ich schmuggle mich an allen anderen vorbei und stelle mich zu ihm. Heute zu weit hinten zu starten wäre fatal, denn die ersten Kilometer der ersten Teiletappe sind flach. Wer da nicht sofort Anschluss an die schnellen Gruppen findet, kann das Rennen schon am Start abhaken. Im Gegensatz zu den anderen Tagen ist es leise heute: die Veranstalter wollen die Garmischer und ihre wohl als zahlungskräftiger eingeschätzte Kundschaft im Greisenalter nicht wecken. Rücksichtsvoll. Erst 5 Minuten vor dem Start wird es dann laut. Ein letztes mal "Highway to hell" und das Feld setzt sich wie eine zähe Masse langsam in Bewegung. Denn klar, auch der Start ist hier neutralisiert: viel zu langsam zuckeln Polizei und Führungsfahrzeug vor uns her, von hinten drängen immer mehr Biker nach vorne, die Straßen sind dafür zu schmal. Alle 5 Minuten kracht und scheppert es irgendwo – Stürze en Masse, kurz danach ein Zwischenstopp an einer geschlossenen Bahnschranke. Wieder ballt sich das komplette Feld zusammen, wieder Stürze. Ich versuche mich aus allem rauszuhalten und verzichte darauf, meinen guten Startplatz mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Die Konsequenz: als das Rennen endlich scharf eröffnet wird, bin ich ziemlich weit nach hinten gefallen. Also schnell wieder nach vorne. Ich springe von Gruppe zu Gruppe, überhole an allen möglichen und unmöglichen Stellen – um ein paar Minuten später auf den nächsten Stau aufzufahren.


Schlagartig bin ich wirklich wach.WTF? Meint der das ernst? Ich frage Joe, der direkt neben mir steht. Joe nickt. Scheiße. 7.30 Uhr. Das heißt Aufstehen um 5.00. Super. Zum Glück fällt da auch schon der Startschuss – der Ärger entlädt sich in einem Hammerstart. Leider werde ich genauso schnell wie ich gestartet bin auch wieder ausgebremst – der Start ist neutralisiert und es hilft nix: ich muss mich ins Feld einsortieren. In Zweierreihe kurbeln wir rauf nach Hofen, dann wird das Rennen endlich wirklich aufgenommen und es heißt Tempo machen. Immerhin ist das hier heute mein Terrain: viele Höhenmeter auf relativ wenigen Kilometern. Für mich heißt das: Heute muss ich Zeit und Plätze gut machen, um sie auf den langen Bolzerabschnitten der beiden letzten Tage zu verteidigen. Und es gelingt: Bis zur Strausbergalpe und der Rodlerhütte kann ich mich ziemlich problemlos weit vorne halten, auch auf der rasend schnellen Asphalt-Abfahrt nach Bad Hindelang verliere ich kaum Plätze. Rauf zum Höllatsberg, runter, rauf zur Schnitzlertal-Alpe. das läuft heute echt viel besser als erwartet. Guter Dinge erreiche ich Jungholz und die zweite Verpflegungsstation. Ich muss kurz halten, um die Flasche aufzufüllen, hoffe aber, die enteilte Gruppe schnell wieder einzuholen. Doch die Hoffnung stirbt schnell: Ich verliere die Satteltasche und muss erneut stoppen. Die Gruppe ist endgültig weg und – dummerweise – auch die Form. Die kurze Zwangspause hat mich völlig aus dem Tritt gebracht, auch der Puls bleibt im Keller. Jetzt heißt es kämpfen: mit schweren Beinen und letzter Kraft erreiche ich den Elendsberg, der eigentlich Edelsberg heißt und schleppe mich die letzten Kilometer bis ins Ziel. Passend zu meiner Stimmung regnet es auch wieder und außerdem ist es saukalt. Kurz werden Erinnerungen an die TransGermany 2010 wach, aber schon eine Bratwurst später ist die Welt wieder halbwegs in Ordnung. Aber jetzt schnell ins Hotel – ab unter die warme Dusche.


Pfronten. Das Abendessen in unserer Pension zusammen mit Swantje und ihren Eltern hat gut getan. Im Vergleich zum Ende der gestrigen Etappe fühle ich mich pudelwohl und endlich konnte ich mal durchgeschlafen. Auch das Wetter scheint mitzuspielen: durch den Nebel, der schwer an den Bergen und im Tal hängt, kann man schon ab und zu einen Blick auf den blauen Himmel erhaschen. Schnell wechsle ich noch auf das Laufrad mit dem rasenden Ralf, schwinge mich aufs Bike und verabschiede mich zum Warmfahren. 10 Minuten Ga1, 4 Minuten GA2, 2 Minuten EB. Ich suche mir einen flachen Abstieg und los. Im GA1-Bereich bin ich schnell, doch dann ist Schluss. Wie gestern bekomme ich den Puls nicht mehr nach oben. Auch der Druck auf dem Pedal fehlt völlig. Frustriert und nach möglichen Ursachen suchend rolle ich zum Start. Klamotten abgeben, Highway to hell, Startschuss. Neutralisiert wird das Feld aus Pfronten geführt. Direkt in den ersten Berg des Tages. Ich ignoriere Beine und Puls und versuche das Tempo anzuziehen. Doch es passiert – nix. Ich kann mitfahren, aber forcieren und angreifen ist nicht drin. Ich überstehe mit Mühe den ersten Berg und biege ein in die Abfahrt vom Himmelreich. Und die wird ihrem Namen gerecht: endlich ein Trail und dann gleich so ein schöner. Flowig in vielen Kehren windet er sich ins Tal, ab und zu sorgen nasse Steinstufen für zusätzlich Spannung. Ich vergesse mit der Form und dem Schicksal zu hadern und genieße die Abfahrt so sehr, dass ich auch den folgende Anstieg zum Lohmoos deutlich schneller und entspannter zurück lege als den ersten. Am Gipfel erwische ich mit dem Glück des Tüchtigen gerade noch so die Gruppe vor mir und beschließe, mich zumindest bis zum Adlerhorst mitschleppen zu lassen.
Guter Plan. Die Umsetzung aber lässt zu wünschen übrig.Das kurze Zwischenhoch ist schon wieder vorbei. Mehr als GA2 ist nicht drin, schon an der zweiten kleinen Welle muss ich abreißen lassen. Dazu rollen mich von hinten ständig weitere Gruppen auf, die ich auch nur kurz halten kann. Je weiter ich nach hinten durchgereicht werde, desto zäher wird das Ringen um jeden Meter – bis ich beschließe, das Rennen aufzugeben. Umschalten in den Trainingsmodus. Ich nehme ein paar Gänge raus und kurble jetzt relativ locker, aber auch ziemlich langsam weiter. Immerhin hat sich der Nebel mittlerweile verzogen und die Landschaft ist echt schön. Rotlech-Stausee, Rinnen, der letzte Anstieg nach Berwang ein paar letzte fiese kurze, aber knackige Rampen und dann ab in die Freeride-Abfahrt nach Lermoos. Zieldurchfahrt, Trost von Swantje, ein Riesenteller Spaghetti Bolognese und ein halber Kaiserschmarrn sorgen dafür, dass die Laune nicht ganz am Boden bleibt.


Lermoos. 6.00 Uhr. Raus aus den Federn. Dusche, dann zum Frühstück. Ich mache die Tür zum Frühstücksraum auf – keiner da. Merde. Hieß es gestern Abend nicht: Frühstück ab 6.20 Uhr? Die ersten anderen Biker tauchen auf, ratlose Blicke, keine Antworten. OK, erst mal ums Bike kümmern, um keine Zeit zu verlieren. 30 Minuten später: die Pensionswirtin ist aufgetaucht. Verschlafen. Jetzt aber schnell. Ca 20 Mitstreiter fallen wie hungrige Wölfe sofort über alles her, was aus der Küche auftaucht. Nur gut, dass ich einen optimalen Zugang zum Buffet habe und mir den größten Teil des Kranzkuchens schnappen kann, bevor es zu spät ist. Zurück ins Zimmer. Der Aufzug kommt nicht, also nehme ich die Treppe. Aua. Die Beine fühlen sich immer noch gar nicht gut an. Eine Einschätzung, die sich kurz später bestätigt: wie Gestern geht schon beim Warmfahren nix. Na toll. Werde also wieder die Landschaft genießen. Deutschlands höchster Berg von allen Seiten – heute steht die Umrundung der Zugspitze auf dem Plan. Am Startblock angekommen, stelle ich zu meiner Überraschung fest: ist schon voll. Muss wohl am guten Wetter liegen, da steht jeder früher auf. Aber egal – heute werde ich eh nicht viel reißen. Dann ein tiefes Kawumm – Lermoos verabschiedet uns mit Kanonendonner. Mit Karacho geht die Meute in den ersten Anstieg rauf zur Tuftlam und ich werde mitgerissen. Puls? Egal, Beine? Egal.
Einfach dranbleiben, beißen und nicht abreißen lassen.Wie ein Mantra hämmere ich mir immer wieder ein: nur zwei Anstiege überstehen, dann eine gute Gruppe erwischen und einfach nur mitgehen. Schneller als gedacht sind wir oben, eine krachende Asphaltabfahrt später auch schon wieder unten in Lermoos. Ich freue mich, als ich Swantje sehe, die Anfeuerung gibt einen Extra-Schub. Im Moos verliere ich die Kette, finde aber direkt wieder Anschluss an eine gut laufende Gruppe und schon biegen wir ab in den Steilanstieg rauf zur Ehrwalder Alm. Wieder beißen. Und dranbleiben. Bloß die Gruppe nicht verlieren. Doch die Jungs sind schnell und meine Beine sind schwer – aber gerade, als ich kurz davor bin, das Handtuch zu werfen, wird es flacher und der Gipfel kommt in Sicht. Noch ein letztes Mal in den Wiegetritt, dann hänge ich wieder wie eine Klette am Ende der Gruppe. Die nächsten 40 Kilometer sind easy, aber rasend schnell. Mit über 40 km/h heizen wir über die Gaistalalm und Leutatsch zum Ferchensee. Ich halte mich mittlerweile immer schön in der Mitte der Gruppe und lasse mich auch im kurzen Zwischenanstieg rauf zum See nicht abhängen. Weitere fünf wellige Kilometer, dann endlich der Schlussanstieg ins vorverlegte Ziel an der Partnachalm. Schnell wird die Gruppe kleiner und kleiner, doch zu meiner Verwunderung kann ich das Tempo vorne mitbestimmen. Da geht doch noch was! Ich gebe noch mal Gas und schaffe es nicht nur, mich von meinen verbliebenen Mitstreitern abzusetzen, sondern sammle nach und nach einen Konkurrenten nach dem anderen ein. Dann das 500-Meter-Schild, ein letzter Bergsprint und ich bin drin. Zufrieden rolle ich locker runter nach Garmisch, verzichte auf den Scott-Zielsprint und freue mich über dass heute alles in allem ganz brauchbare Ergebnis.


Garmisch: das heißt Start um 7.30 Uhr und eine Etappe die eigentlich drei sind, weil zwischen den gewerteten Teilstücken am Anfang und Ende neutralisierte 30 Asphaltkilometer liegen. Garmisch: Das heißt auch: Kuhglocken, die mich pünktlich um 5.00 Uhr wecken, als die dazugehörigen Kühe durch die Straße vor dem Hotel zur Weide getrieben werden. Und Garmisch heißt auch: Rosinenkuchen mit Nutella zum Frühstück auf dem Zimmer, weil das Hotel auch trotz guten Zuredens nicht bereit ist, ein extra frühes Frühstück anzubieten. Die wollen Olympia? Hoffentlich bekommt ein wirklich für alle Sportarten offener Ort den Zuschlag. Aber ich schlucke den Ärger genauso runter wie den Nutellarosinenkuchen zuvor und rolle zum Start. Wieder ist der Startblock voll. Aber weiter vorne steht Joe. Ich schmuggle mich an allen anderen vorbei und stelle mich zu ihm. Heute zu weit hinten zu starten wäre fatal, denn die ersten Kilometer der ersten Teiletappe sind flach. Wer da nicht sofort Anschluss an die schnellen Gruppen findet, kann das Rennen schon am Start abhaken. Im Gegensatz zu den anderen Tagen ist es leise heute: die Veranstalter wollen die Garmischer und ihre wohl als zahlungskräftiger eingeschätzte Kundschaft im Greisenalter nicht wecken. Rücksichtsvoll. Erst 5 Minuten vor dem Start wird es dann laut. Ein letztes mal "Highway to hell" und das Feld setzt sich wie eine zähe Masse langsam in Bewegung. Denn klar, auch der Start ist hier neutralisiert: viel zu langsam zuckeln Polizei und Führungsfahrzeug vor uns her, von hinten drängen immer mehr Biker nach vorne, die Straßen sind dafür zu schmal. Alle 5 Minuten kracht und scheppert es irgendwo – Stürze en Masse, kurz danach ein Zwischenstopp an einer geschlossenen Bahnschranke. Wieder ballt sich das komplette Feld zusammen, wieder Stürze. Ich versuche mich aus allem rauszuhalten und verzichte darauf, meinen guten Startplatz mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Die Konsequenz: als das Rennen endlich scharf eröffnet wird, bin ich ziemlich weit nach hinten gefallen. Also schnell wieder nach vorne. Ich springe von Gruppe zu Gruppe, überhole an allen möglichen und unmöglichen Stellen – um ein paar Minuten später auf den nächsten Stau aufzufahren.
Ein geschlossenes Viehgatter. Durchgang nur für eine Person.Ich könnte kotzen. Wieder vergeht wertvolle Zeit, dann endlich bin ich durch. Jetzt aber los. Ich drücke aufs Tempo und versuche irgendeine schnelle Gruppe zu finden, doch ich bin auf mich alleine gestellt. Entweder sind die, auf die ich auffahre zu langsam, oder haben keine Lust auch mal selbst das Tempo zu machen. Naja – gestern habe ich gelutscht, heute muss ich eben dafür büßen und fahre bis zum Ziel der ersten Teilstücks eine Stunde mehr oder weniger alleine im Wind. Im Ziel schnell die Flasche auffüllen und weiter. Ich habe keine Lust zu parken und mich zu erholen, ich will jetzt einfach schnell zum Achensee. Zusammen mit ein paar Norwegern und einem Franzosen nehme ich den nicht gezeiteten Abschnitt recht zügig, ab und zu fahren wir auf größere Gruppen auf, hängen uns dran, um sie dann doch zu überholen: zu sehr Bummelzug. Noch mal Verpflegung, dann der scharfe Start in das letzte Teilstück dieser Etappe. Ich gehe davon aus, dass meine Mitfahrer auch sofort durchstarten und fahre über die Zeitnahme-Matte "Pieps". Doch kein weiteres "Pieps" ist zu hören. Ich schaue mich um und stelle fest, dass die anderen noch an der Verpflegung parken. Ein blöder taktischer Fehler – die Zeit läuft und ich muss fahren. Noch mal gute 10 Kilometer alleine im Wind. Dann endlich der erste und einzige wirkliche Berg des Tages. Der mir prompt den Stecker zieht. Kein Puls, kein Druck. Müde schleppe ich mich hoch, nehme die Bergwertung kaum wahr und gehe in die letzten 25 Kilometer zum Achensee. Wieder Gegenwind, wieder alleine. Dann kommt von hinten endlich eine Gruppe angerauscht und zusammen schaffen wir bis es kurz vors Ziel. Dann eine scharfe Kehre, ins Bild schiebt sich ein Wakeboarder mit kompletter Ausrüstung. Er latscht genau vor mir mitten über den Weg, Vollbremsung, ein paar wüste Beschimpfungen und ich bin wieder alleine auf mich gestellt. Noch drei Kilometer trete ich was das Zeug hält, dann sehe ich den roten Zielbogen. Noch eine Linkskurve und ich bin da – als Finisher der Craft Bike TransGermany 2011. Und endlich auch nicht mehr allein. Im Ziel begrüßen mich Swantje und ihre Eltern, dann Medaille, Finishertrikot, Zielbier, Bikewash und ab ins Zielrestaurant: Eine Currywurst mit Pommes bitte.


Craft Bike Trans Germany 2011: Durchwachsenes Rennen, schönes Training

Samstag, 04.06.2011 – ich stehe zusammen mit Swantje und ihren Eltern im Ziel der Craft Bike TransGermany und trinke seit langem wieder mal ein Bier. Alkoholfrei. Um den Hals baumelt noch die Finishermedaillie, um mich herum überall ausgelassen jubelnde Racer. Mir selbst ist nicht wirklich nach Feiern zumute – mit Platz 43 habe ich zwar mein Minimalziel unter die Top 50 der Altersklasse zu fahren erreicht, aber so richtig glücklich bin ich damit auch nach ein paar Tagen Abstand noch nicht. Denn was eigentlich als Rennen geplant war, wurde mangels Druck auf dem Pedal nur zu einem etwas intensiverem Trainingsblock. Aber was soll's – die Strecke war alles in allem schön, das Wetter super und auch die Stimmung im Feld und das Drumherum passte. Das die Form irgendwo zwischen der letzten Trainingseinheit und dem Start zur ersten Etappe verloren ging, ist so zumindest halbwegs verschmerzbar – auch wenn mir nach wie vor jede Erklärung dafür fehlt. Alles weitere, ausführlichere Etappen-Berichte und Fotos demnächst hier.
Die Bike TransGermany 2010. Schlammschlacht zweiter Teil.
Die erste Etappe:
Von Garmisch-Partenkirchen nach Lermoos,
81,44km und 2154hm.
02.06.2010. Garmisch. Immer noch. Wir sind nach dem Zugspitz-Marathon gleich da geblieben, um die Zeit bis zum Start der TransGermany zu einem Kurzurlaub zu nutzen. Auf dem Plan standen ein paar lockere Runden mit dem MTB. Ohne Rennstress aber dafür mit Apfelstrudel und Kaiserschmarrn auf irgendeiner der vielen gemütlichen Hütten. Der Haken: es regnete weiter. Ununterbrochen. Die Touren mit Einkehrschwung? Fallen ins Wasser. Um mich auf die erste Etappe vorzubereiten, quäle ich mich mal für eine Stunde ins Freie – nass und vollkommen demotiviert komme ich zurück. Ich überlege ernsthaft abzureisen, und die TransGermany TransGermany sein zu lassen. Doch Swantje überredet mich, doch wenigstens zur ersten Etappe an den Start zu gehen. So stehe ich dann Punkt 10.00 Uhr im strömenden Regen im Startblock. Die Stimmung ist an Tristesse kaum zu überbieten – nur die leuchtenden Farben der vielen Regenschirme wirken irgendwie fröhlich. Blickt man in die Gesichter der Fahrer, ist von dieser vorgetäuschten Fröhlichkeit absolut keine Spur mehr zu sehen. Zu sicher ist, was uns erwartet: Regen, Schlamm, Kälte. Oben am höchsten Punkt der heutigen Etappe hat es 2°C. Brrrrrrrr. Der Moderator versucht gute Stimmung zu erzeugen – will die Arme der Zuschauer und Teilnehmer sehen. Viele rühren sich nicht – die Leute müssen die Schirme halten. Auftritt Uli Stanciu. Er sagt, dass es nass und kalt werden wird. Aha. Highway to hell. Dröhnt auch aus den Boxen. Und ab. Die Meute prescht los wie eine Büffelherde – denn jeder will am ersten Steilanstieg des Tages hoch zur Partnachalm vorne sein, um den sicheren Stau auf den hinteren Plätzen zu entgehen. Ich komme gut durch, kann mit Geschick und Glück dem ersten Massensturz entgehen und fahre sehr weit vorne in den Berg. Das Feld reißt sofort auseinander, dann wird es flacher und erste Gruppen bilden sich. Ich erwische leider eine, in der keiner wirklich das Tempo machen will. Am Ferchensee habe ich genug und versuche mich abzusetzen. Das klappt nach und nach, doch richtig nach vorne komme ich in der Folge auch nicht. So kämpfe ich mich mehr oder weniger allein hoch zur Ehrwalder Alm, durch dicht fallenden Regen von oben und Matschgespritze von unten.
Sofort rolle ich ins Hotel und stelle mich mit den verschlammten Klamotten in die Dusche. Ich drehe nur den Warmwasserhahn auf – aber warm wird es mir nicht. Abend: wir suchen uns ein Restaurant zum Abendessen. Eine schlechte Pizza später bekomme ich auf dem Weg zurück ins Hotel erste Magenkrämpfe. Es fühlt sich nicht gut an. Dazu regnet es weiterhin Hunde und Katzen.




Die zweite Etappe:
Von Lermoos nach Pfronten,
74,7 km und 1863hm
2.00 Uhr. Ich wache auf, weil mein Magen zwickt und poltert. Sprint auf die Toilette. Beim Weg zurück ins Bett kurzer Stopp am Fenster – draußen schüttet es noch immer. Keine guten Aussichten. 5 Stunden später klingelt der Wecker. Müde kämpfe ich mich aus den Federn, von draußen ein mittlerweile nur allzu vertrautes Geräusch: Regen. Beim Gedanken ans Frühstück fängt es tief in der Magengrube wieder an zu poltern. Egal, ich muss was essen, wenn ich heute starten will. Aber will ich das wirklich? Eigentlich nicht. Andererseits: morgen soll das Wetter besser werden und ich liege ganz gut im Rennen. Ich vertage die Entscheidung, erst mal frühstücken. Wider Erwarten schaffe ich es sogar, eine klitzekleine Schale Müsli und eine Semmel runterzuwürgen. Kurzzeitig fühle ich mich besser, ich beschließe zumindest an den heute auf 11 Uhr verschobenen Start zu gehen. Knapp eine Stunde vorher breche ich auf – die netten Specialized-Jungs checken noch kurz Schaltung und Bremsen – und fahre mich ein. Solange ich locker rolle ist alles gut – sobald ich ein wenig Gas gebe, schießt der Puls nach oben und auch der Magen meldet sich deutlich. Mit keinem guten Gefühl reihe ich mich in den Startblock ein – direkt neben Leander, einen holländischen Racer, den ich mittlerweile von einigen Rennen kenne. Er ist genauso begeistert vom Wetter wie ich, kann aber noch Schokokuchen mampfen. Seinem Magen geht es also offensichtlich besser als meinem. Noch 5 Minuten bis zum Start. Uli verkündet die nasseste Etappe, die es je bei einer Trans-Germany gegeben hat. Nasser als gestern? Kann eigentlich nicht sein. 10 Minuten später weiß ich es besser: Direkt nach dem Start rasen wir in einen Bach, der eigentlich ein Radweg ist. Knietief steht er unter Wasser und ich bin schon wieder durch und durch nass. Egal. Mehr Sorgen machen mir nämlich Magen und Puls: mir ist mittlerweile kotzübel und der Puls ist weit im EB-Bereich – und ich drücke nicht mal aufs Tempo. Dann der erste Anstieg des Tages nach Berwang und plötzlich geht gar nix mehr. Ich werde zuerst langsam, dann muss ich ganz stoppen. Fahrer um Fahrer zieht an mir vorbei und ich denke – wieder mal – ans Aufhören.
Ich komme sturzfrei durch und kann auf den Abfahrten einiges gut machen – hier hinten im Feld wird vorsichtiger und gemütlicher bergab gefahren als vorne. Am Fuß der Abfahrt schließe ich zu einer schnelleren Gruppe auf, die mich in der Folge durchs Tannheimer Tal zieht. Gemeinsam geht es weiter nach vorne und ich merke, dass Magen und Puls sich langsam stabilisieren – vielleicht geht ja doch noch was. Dann der letzte Anstieg rauf zum Lohmoos. Ich gebe noch mal alles und trete rein was das Zeug hält – immer schön bis zur Kotzgrenze. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber es zahlt sich aus. Ich kann viele viele Plätze gutmachen, erwische in der Abfahrt noch mal eine gute Gruppe und rette mich an diesem vermurksten Tag noch als 34 der Tageswertung Masters ins Ziel. In der Gesamtwertung habe ich sogar einige Plätze gutgemacht und liege jetzt auf 25. Unglaublich.







Die dritte Etappe:
Von Pfronten nach Sonthofen,
55,5km 1830hm
6.50 Uhr. Aufstehen nach einer weiteren aufreibenden Nacht. Das wirklich gute Abendessen in der Pension ist mir leider nicht bekommen. Der Magen zwickt wieder. Schlimmer als gestern. Immerhin: die Regenfront verzieht sich tatsächlich, scharf zeichnet sich die Wolkenkante des Schlechtwettertiefs ab, dahinter ist der Himmel tiefblau. Sonne. Endlich. Beim Frühstück kämpfe ich mit einem Käsebrötchen, mehr geht nicht. Dennoch bin ich heute guter Dinge. Gleich drei Anstiege warten und die Bolzerpassagen dazwischen halten sich in Grenzen und so was liegt mir eigentlich. Gut gelaunt rolle ich also zum Start – und treffe zum ersten Mal bei dieser TransGermany auf fröhliche Mitbiker. Überall lachende Gesichter, von Regenjacken, Regenhosen und Regenschirmen ist nichts mehr zu sehen. Highway to hell? Heute sicher nicht. Ich entledige mich noch schnell Bein- und Ärmlingen und schon schießen wir in einem Affenzahn raus aus Pfronten. Plötzlich „Wasser“ – ein Warn-Ruf, über den ich bisher nur herzhaft lachen konnte, aber diesmal ist er berechtigt. Wir rauschen in einem über die Ufer getretenen Bach und sind schon wieder bis auf die Haut durchnässt. Nur gut, dass es heute wirklich warm ist und nicht so saukalt wie die letzten Tage. Der folgende Anstieg rauf zur Buchelalpe wärmt zusätzlich. Bei mir läuft es heute Morgen gut und ich komme ziemlich weit nach vorne. Weiter rauf zur Schnitzlertal Alpe schieben wir durch knietiefen Matsch, dann geht es in die erste rasende Teerabfahrt des Tages. Unfassbar: Schon nach ein paar hundert Meter kommen die ersten Brocken von hinten an mir vorbeigerauscht. Bin ich so langsam unterwegs? Eigentlich komme ich mir relativ schnell vor. Kontrollblick auf den Tacho: 70 km/h. Merde.








Die vierte Etappe:
Von Sonthofen nach Bregenz,
74,5 km und 1365 hm
Kuhglockengebimmel weckt uns schon sehr früh am Morgen. Ich schiebe den Vorhang zurück und sehe einen blauen Himmel. Kaiserwetter. Keine Wolke weit und breit. Heute erwartet uns also eine echte Hitzeetappe. Dazu viel – zu viel – Asphalt. Leider scheiterte die ursprüngliche Streckenführung an den Einsprüchen einiger verbohrter Grundstückseigentümer. Schade. Beim Frühstück meldet sich wie an jedem Tag mein Mager wieder. Nachdrücklicher heute. Ich schaffe wieder nur ein einziges Käsebrötchen, dann verabschiede ich mich von der unfreundlichen Pensionswirtin Richtung Start. Über einen netten Wiesentrail rolle ich nach Sonthofen, an richtiges Warmfahren ist nicht zu denken, denn mir ist mittlerweile richtig schlecht. Ich parke mein Bike im Startblock und beobachte die Fahrer um mich herum. Die Gespräche sind relativ eintönig. Entweder geht es ums Wetter oder aber um den Magen-Darm-Virus, der im Feld grassiert. Da könnte ich prima mitreden, stattdessen flitze ich aber zum wiederholten Male aufs Klo. Beim Rückweg präge ich mir noch mal genau die Fahrer ein, die in der Ergebnisliste nur knapp vor und hinter mir liegen – ich habe mir vorgenommen meinen Platz heute unter allen Umständen zu verteidigen. Das heißt vor allem: am Riedbergpass weit vorne dabei zu sein, um dann in der langen Abfahrt runter nach Bregenz eine schnelle Gruppe zu erwischen, um nicht wieder so abgehängt zu werden wie gestern. Noch mal Toilette, dann geht es auch schon los. Vorne weg ein paar Bürgermeister und Lokalpolitiker, die aber schnell zur Seite flüchten, als sie erkennen, welches Tempo vorne auch während der neutralisierten Startphase angeschlagen wird. Dann der scharfe Start. Ich hänge mich sofort an die beiden Fahrer, die in der Ergebnisliste direkt vor mir stehen. Die Gruppe läuft gut, ich mache selbst nix und lasse mich ziehen. Abzweig Riedbergpass, sofort wird es steil und die Gruppe zerfällt in ihre Einzelteile. Zusammen mit zwei anderen Fahrern kann ich mich nach vorne absetzen, meine direkten Konkurrenten fallen zurück. immer weiter kommen wir nach vorne, kurz vor dem Gipfel schaffen wir es zu einer etwa 10 Mann großen Gruppe aufzuschließen. Perfekt, die richtige Unterstützung für die lange Abfahrt. Gemeinsam rollen wir andere Fahrer und kleine Grüppchen auf, denen geht es jetzt so wie mir gestern und sie werden gnadenlos abgehängt. Dann die letzte Verpflegungsstation und der letzte Anstieg. Schon am Fuß erkenne ich zwei weitere direkte Konkurrenten und ziehe noch mal voll an. Ohne aufzutanken, der Rest in der Flasche muss reichen, gehe ich direkt vorbei und kann mich super schnell absetzen. Das sieht gut aus. Bis plötzlich klar ist: ich habe mich zusammen mit der Spitzengruppe verfahren. Umdrehen also. Das Dumme daran:
Eine halbe Stunde später: die erste Ergebnisliste wird ausgehängt. Platz 74 der Tageswertung. Gesamtrang steht noch nicht fest. Meine Hoffnung, zumindest einen Platz unter den ersten 50 gerettet zu haben, schwindet. Ich brauche sofort einen großen Trost-Eisbecher, dann brechen wir auch schon auf zum Tegernsee. Das Tegernsee-Bike-Festival wartet.
Einen Abend später: wir sind wieder in Frankfurt. Ich rase aufs Klo, Swantje geht an den Rechner. Ein paar Klicks später hat sie das Gesamtergebnis. Platz 30. Doch noch. Trotz Magen-Darm-Virus, trotz miesem Wetter und trotz den verdammten Extra-Kilometern auf der letzten Etappe . Cool.






Von Garmisch-Partenkirchen nach Lermoos,
81,44km und 2154hm.
02.06.2010. Garmisch. Immer noch. Wir sind nach dem Zugspitz-Marathon gleich da geblieben, um die Zeit bis zum Start der TransGermany zu einem Kurzurlaub zu nutzen. Auf dem Plan standen ein paar lockere Runden mit dem MTB. Ohne Rennstress aber dafür mit Apfelstrudel und Kaiserschmarrn auf irgendeiner der vielen gemütlichen Hütten. Der Haken: es regnete weiter. Ununterbrochen. Die Touren mit Einkehrschwung? Fallen ins Wasser. Um mich auf die erste Etappe vorzubereiten, quäle ich mich mal für eine Stunde ins Freie – nass und vollkommen demotiviert komme ich zurück. Ich überlege ernsthaft abzureisen, und die TransGermany TransGermany sein zu lassen. Doch Swantje überredet mich, doch wenigstens zur ersten Etappe an den Start zu gehen. So stehe ich dann Punkt 10.00 Uhr im strömenden Regen im Startblock. Die Stimmung ist an Tristesse kaum zu überbieten – nur die leuchtenden Farben der vielen Regenschirme wirken irgendwie fröhlich. Blickt man in die Gesichter der Fahrer, ist von dieser vorgetäuschten Fröhlichkeit absolut keine Spur mehr zu sehen. Zu sicher ist, was uns erwartet: Regen, Schlamm, Kälte. Oben am höchsten Punkt der heutigen Etappe hat es 2°C. Brrrrrrrr. Der Moderator versucht gute Stimmung zu erzeugen – will die Arme der Zuschauer und Teilnehmer sehen. Viele rühren sich nicht – die Leute müssen die Schirme halten. Auftritt Uli Stanciu. Er sagt, dass es nass und kalt werden wird. Aha. Highway to hell. Dröhnt auch aus den Boxen. Und ab. Die Meute prescht los wie eine Büffelherde – denn jeder will am ersten Steilanstieg des Tages hoch zur Partnachalm vorne sein, um den sicheren Stau auf den hinteren Plätzen zu entgehen. Ich komme gut durch, kann mit Geschick und Glück dem ersten Massensturz entgehen und fahre sehr weit vorne in den Berg. Das Feld reißt sofort auseinander, dann wird es flacher und erste Gruppen bilden sich. Ich erwische leider eine, in der keiner wirklich das Tempo machen will. Am Ferchensee habe ich genug und versuche mich abzusetzen. Das klappt nach und nach, doch richtig nach vorne komme ich in der Folge auch nicht. So kämpfe ich mich mehr oder weniger allein hoch zur Ehrwalder Alm, durch dicht fallenden Regen von oben und Matschgespritze von unten.
Motivation? Mittlerweile auf dem Tiefpunkt.Oben an der Ehrwalder Alm wird aus dem Regen Schneegriesel – ich denke zum wiederholten Mal an diesem Tag ans Aussteigen. Dann die Abfahrt ins Lermooser Moos. Es wird bitter kalt, nur gut, dass Handschuhe und Unterhemd winddicht sind. Ich rausche durch eine Kehre und sehe von oben plötzlich den Abzweig zur Straße nach Lermoos. Der Gedanken ans Aussteigen verfestigt sich, in 20 Minuten wäre ich im warmen Hotel. Doch es kommt anders: An der letzten Verpflegungsstelle direkt am Abzweig zur Straße steht Swantje, um mich zu verpflegen und mich anzufeuern. Und tatsächlich – sie schafft es, mich zum Weiterfahren anzutreiben. Also vergesse ich die Straße und nehme den letzten Anstieg des Tages in Angriff. Auf Teer geht’s steil hoch zur Tuftlalm, dann auf Schotter und endlich auch einem schönen Trail bergab in den Ort. Im letzten Trailstück kann ich noch einige Plätze gutmachen und komme als 31 der Masterswertung ins Ziel.
Sofort rolle ich ins Hotel und stelle mich mit den verschlammten Klamotten in die Dusche. Ich drehe nur den Warmwasserhahn auf – aber warm wird es mir nicht. Abend: wir suchen uns ein Restaurant zum Abendessen. Eine schlechte Pizza später bekomme ich auf dem Weg zurück ins Hotel erste Magenkrämpfe. Es fühlt sich nicht gut an. Dazu regnet es weiterhin Hunde und Katzen.

Die zweite Etappe:
Von Lermoos nach Pfronten,
74,7 km und 1863hm
2.00 Uhr. Ich wache auf, weil mein Magen zwickt und poltert. Sprint auf die Toilette. Beim Weg zurück ins Bett kurzer Stopp am Fenster – draußen schüttet es noch immer. Keine guten Aussichten. 5 Stunden später klingelt der Wecker. Müde kämpfe ich mich aus den Federn, von draußen ein mittlerweile nur allzu vertrautes Geräusch: Regen. Beim Gedanken ans Frühstück fängt es tief in der Magengrube wieder an zu poltern. Egal, ich muss was essen, wenn ich heute starten will. Aber will ich das wirklich? Eigentlich nicht. Andererseits: morgen soll das Wetter besser werden und ich liege ganz gut im Rennen. Ich vertage die Entscheidung, erst mal frühstücken. Wider Erwarten schaffe ich es sogar, eine klitzekleine Schale Müsli und eine Semmel runterzuwürgen. Kurzzeitig fühle ich mich besser, ich beschließe zumindest an den heute auf 11 Uhr verschobenen Start zu gehen. Knapp eine Stunde vorher breche ich auf – die netten Specialized-Jungs checken noch kurz Schaltung und Bremsen – und fahre mich ein. Solange ich locker rolle ist alles gut – sobald ich ein wenig Gas gebe, schießt der Puls nach oben und auch der Magen meldet sich deutlich. Mit keinem guten Gefühl reihe ich mich in den Startblock ein – direkt neben Leander, einen holländischen Racer, den ich mittlerweile von einigen Rennen kenne. Er ist genauso begeistert vom Wetter wie ich, kann aber noch Schokokuchen mampfen. Seinem Magen geht es also offensichtlich besser als meinem. Noch 5 Minuten bis zum Start. Uli verkündet die nasseste Etappe, die es je bei einer Trans-Germany gegeben hat. Nasser als gestern? Kann eigentlich nicht sein. 10 Minuten später weiß ich es besser: Direkt nach dem Start rasen wir in einen Bach, der eigentlich ein Radweg ist. Knietief steht er unter Wasser und ich bin schon wieder durch und durch nass. Egal. Mehr Sorgen machen mir nämlich Magen und Puls: mir ist mittlerweile kotzübel und der Puls ist weit im EB-Bereich – und ich drücke nicht mal aufs Tempo. Dann der erste Anstieg des Tages nach Berwang und plötzlich geht gar nix mehr. Ich werde zuerst langsam, dann muss ich ganz stoppen. Fahrer um Fahrer zieht an mir vorbei und ich denke – wieder mal – ans Aufhören.
Ich warte ein paar Minuten, hadere mit mir, dem Schicksal und dem Wettergott, dann sinkt der Puls ein wenig und ich beschließe weiterzufahren.Neue Zielsetzung jetzt: einfach ankommen. Ganz weit hinten im Feld reihe ich mich wieder ein und fahre einfach mit. Jede Anstrengung darüber hinaus quittiert mein Körper mit einem üblen Brechreiz, selbst das regelmäßige Trinken muss ausfallen. So quäle ich mich über Rotlech-Stausee und Weissenbach hoch zum Adlerhorst. Immer wieder durchqueren wir reißende Bergbäche, die die Mitfahrer reihenweise verschlingen.
Ich komme sturzfrei durch und kann auf den Abfahrten einiges gut machen – hier hinten im Feld wird vorsichtiger und gemütlicher bergab gefahren als vorne. Am Fuß der Abfahrt schließe ich zu einer schnelleren Gruppe auf, die mich in der Folge durchs Tannheimer Tal zieht. Gemeinsam geht es weiter nach vorne und ich merke, dass Magen und Puls sich langsam stabilisieren – vielleicht geht ja doch noch was. Dann der letzte Anstieg rauf zum Lohmoos. Ich gebe noch mal alles und trete rein was das Zeug hält – immer schön bis zur Kotzgrenze. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber es zahlt sich aus. Ich kann viele viele Plätze gutmachen, erwische in der Abfahrt noch mal eine gute Gruppe und rette mich an diesem vermurksten Tag noch als 34 der Tageswertung Masters ins Ziel. In der Gesamtwertung habe ich sogar einige Plätze gutgemacht und liege jetzt auf 25. Unglaublich.


Die dritte Etappe:
Von Pfronten nach Sonthofen,
55,5km 1830hm
6.50 Uhr. Aufstehen nach einer weiteren aufreibenden Nacht. Das wirklich gute Abendessen in der Pension ist mir leider nicht bekommen. Der Magen zwickt wieder. Schlimmer als gestern. Immerhin: die Regenfront verzieht sich tatsächlich, scharf zeichnet sich die Wolkenkante des Schlechtwettertiefs ab, dahinter ist der Himmel tiefblau. Sonne. Endlich. Beim Frühstück kämpfe ich mit einem Käsebrötchen, mehr geht nicht. Dennoch bin ich heute guter Dinge. Gleich drei Anstiege warten und die Bolzerpassagen dazwischen halten sich in Grenzen und so was liegt mir eigentlich. Gut gelaunt rolle ich also zum Start – und treffe zum ersten Mal bei dieser TransGermany auf fröhliche Mitbiker. Überall lachende Gesichter, von Regenjacken, Regenhosen und Regenschirmen ist nichts mehr zu sehen. Highway to hell? Heute sicher nicht. Ich entledige mich noch schnell Bein- und Ärmlingen und schon schießen wir in einem Affenzahn raus aus Pfronten. Plötzlich „Wasser“ – ein Warn-Ruf, über den ich bisher nur herzhaft lachen konnte, aber diesmal ist er berechtigt. Wir rauschen in einem über die Ufer getretenen Bach und sind schon wieder bis auf die Haut durchnässt. Nur gut, dass es heute wirklich warm ist und nicht so saukalt wie die letzten Tage. Der folgende Anstieg rauf zur Buchelalpe wärmt zusätzlich. Bei mir läuft es heute Morgen gut und ich komme ziemlich weit nach vorne. Weiter rauf zur Schnitzlertal Alpe schieben wir durch knietiefen Matsch, dann geht es in die erste rasende Teerabfahrt des Tages. Unfassbar: Schon nach ein paar hundert Meter kommen die ersten Brocken von hinten an mir vorbeigerauscht. Bin ich so langsam unterwegs? Eigentlich komme ich mir relativ schnell vor. Kontrollblick auf den Tacho: 70 km/h. Merde.
Die nächste Gruppe rauscht vorbei, ich schaffe es noch nicht mal in den Windschatten.Zack, weg sind sie. Der folgende Anstieg ist zu kurz, um wieder ein paar Plätze gutzumachen und in der folgenden Abfahrt bin ich komplett auf mich allein gestellt. Zusätzlich meldet sich auch der Magen wieder, trotzdem würge ich ein Gel runter und gehe wütend in den letzten Anstieg des Tages. 500 Höhenmeter, die ich nutzen will, um zu retten was zu retten ist. Wie am Vortag kann ich auch wieder ziemlich viele einsammeln, aber zu mehr als Platz 43 der Masterswertung reicht es heute nicht. In der Gesamtwertung habe ich aber nur einen Platz verloren, bleibe also unter den ersten 30. Prima. Genauso wie die Stimmung bei der Zielankunft. Es sind viele Zuschauer da und endlich kann man die Rennatmosphäre im Ziel auch mal voll und ganz genießen, ohne einen grausigen Kältetod befürchten zu müssen.



Die vierte Etappe:
Von Sonthofen nach Bregenz,
74,5 km und 1365 hm
Kuhglockengebimmel weckt uns schon sehr früh am Morgen. Ich schiebe den Vorhang zurück und sehe einen blauen Himmel. Kaiserwetter. Keine Wolke weit und breit. Heute erwartet uns also eine echte Hitzeetappe. Dazu viel – zu viel – Asphalt. Leider scheiterte die ursprüngliche Streckenführung an den Einsprüchen einiger verbohrter Grundstückseigentümer. Schade. Beim Frühstück meldet sich wie an jedem Tag mein Mager wieder. Nachdrücklicher heute. Ich schaffe wieder nur ein einziges Käsebrötchen, dann verabschiede ich mich von der unfreundlichen Pensionswirtin Richtung Start. Über einen netten Wiesentrail rolle ich nach Sonthofen, an richtiges Warmfahren ist nicht zu denken, denn mir ist mittlerweile richtig schlecht. Ich parke mein Bike im Startblock und beobachte die Fahrer um mich herum. Die Gespräche sind relativ eintönig. Entweder geht es ums Wetter oder aber um den Magen-Darm-Virus, der im Feld grassiert. Da könnte ich prima mitreden, stattdessen flitze ich aber zum wiederholten Male aufs Klo. Beim Rückweg präge ich mir noch mal genau die Fahrer ein, die in der Ergebnisliste nur knapp vor und hinter mir liegen – ich habe mir vorgenommen meinen Platz heute unter allen Umständen zu verteidigen. Das heißt vor allem: am Riedbergpass weit vorne dabei zu sein, um dann in der langen Abfahrt runter nach Bregenz eine schnelle Gruppe zu erwischen, um nicht wieder so abgehängt zu werden wie gestern. Noch mal Toilette, dann geht es auch schon los. Vorne weg ein paar Bürgermeister und Lokalpolitiker, die aber schnell zur Seite flüchten, als sie erkennen, welches Tempo vorne auch während der neutralisierten Startphase angeschlagen wird. Dann der scharfe Start. Ich hänge mich sofort an die beiden Fahrer, die in der Ergebnisliste direkt vor mir stehen. Die Gruppe läuft gut, ich mache selbst nix und lasse mich ziehen. Abzweig Riedbergpass, sofort wird es steil und die Gruppe zerfällt in ihre Einzelteile. Zusammen mit zwei anderen Fahrern kann ich mich nach vorne absetzen, meine direkten Konkurrenten fallen zurück. immer weiter kommen wir nach vorne, kurz vor dem Gipfel schaffen wir es zu einer etwa 10 Mann großen Gruppe aufzuschließen. Perfekt, die richtige Unterstützung für die lange Abfahrt. Gemeinsam rollen wir andere Fahrer und kleine Grüppchen auf, denen geht es jetzt so wie mir gestern und sie werden gnadenlos abgehängt. Dann die letzte Verpflegungsstation und der letzte Anstieg. Schon am Fuß erkenne ich zwei weitere direkte Konkurrenten und ziehe noch mal voll an. Ohne aufzutanken, der Rest in der Flasche muss reichen, gehe ich direkt vorbei und kann mich super schnell absetzen. Das sieht gut aus. Bis plötzlich klar ist: ich habe mich zusammen mit der Spitzengruppe verfahren. Umdrehen also. Das Dumme daran:
Wo eben noch vorne war, ist jetzt hinten.Ganz hinten. Als wir wieder am Fuß des Berges sind, geraten wir mitten in die Meute des Feldes. Ausgerechnet hier, am einzigen Engpass der heutigen Etappe. Stau. Vor mir stehen Fahrer, die ich schon weit abgehängt hatte – verdammt, auch zwei meiner direkten Konkurrenten kann ich wieder vor mir sehen. Rechts und links schlagen sich Biker durch den Wald – ich ergebe mich dem Schicksal und bleibe auf dem Weg. Ist jetzt auch schon egal, reine Standzeit hier laut Tacho: 10 Minuten. Dazu sicher noch mal 10 – 15 Minuten, die dadurch verloren gehen, dass es im hinteren Teil des Feldes wirklich keiner eilig hat – und uns auch keiner vorbeilässt. In Trippelschrittchen und gemütlich plaudernd nehmen sie die letzte Passage bergauf in Angriff. Eigentlich lustig, für mich aber gerade ziemlich ärgerlich. Das Ziel, meine Platzierung zu verteidigen kann ich vergessen. Ich hoffe, dass ich wenigstens mein Minimalziel „Top 50“ noch erreichen kann. Dann wird der Weg endlich breiter und ich kann wieder fahren. Alleine nehme ich die letzten Kilometer runter nach Bregenz in Angriff, auf dem letzten Trail lasse ich es noch mal richtig krachen, überhole noch einige Mitstreiter zum zweiten Mal an diesem Tag, dann erreiche ich Bregenz. Rechts, links, dann kommt der Zielbogen in Sicht. Ich rolle ins Ziel, entdecke Swantje und mein Ärger über den Verfahrer verfliegt sofort und die Freude unter diesen Bedingungen überhaupt gefinished zu haben, stellt sich ein.
Eine halbe Stunde später: die erste Ergebnisliste wird ausgehängt. Platz 74 der Tageswertung. Gesamtrang steht noch nicht fest. Meine Hoffnung, zumindest einen Platz unter den ersten 50 gerettet zu haben, schwindet. Ich brauche sofort einen großen Trost-Eisbecher, dann brechen wir auch schon auf zum Tegernsee. Das Tegernsee-Bike-Festival wartet.
Einen Abend später: wir sind wieder in Frankfurt. Ich rase aufs Klo, Swantje geht an den Rechner. Ein paar Klicks später hat sie das Gesamtergebnis. Platz 30. Doch noch. Trotz Magen-Darm-Virus, trotz miesem Wetter und trotz den verdammten Extra-Kilometern auf der letzten Etappe . Cool.
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