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Mittwoch, 15. August 2012

Gemütlich zu Platz 5: Der Ischgl IronBike 2012

Freitag, 03.08.2012, 04:00 Uhr. Unsanft werden wir vom schrillen Klingelton meines Handys aus dem Schlaf gerissen, ein paar Kaffee später sind die Bikes auf dem Dach unseres Autos verzurrt und wir machen uns auf den langen Weg nach Ischgl. Auf der Autobahn reiht sich Baustelle an Baustelle, doch ausnahmsweise staut sich dieses mal nichts. Würzburg, Ulm, endlich FM4 im Radio, Fernpaß, Imst, Ischgl. Fast wie im Flug. Wir rollen vor unser Stamm-Hotel und werden sofort vom Chef mit den News des Tages versorgt: Streckenänderung auf der kleinen Runde, neuer Trail, soll schwierig und gefährlich sein. Hört sich doch gut an denke ich, und schon sitzen wir auf unseren Bikes. Ab zum Warmfahren. Laut Trainingsplan: 20 Minuten GA1, 10 GA 2 und 6 im EB-Bereich. Danach: Beine hochlegen und erholen. Aber ich bin doch nicht bescheuert. Der Himmel ist blau, es ist warm, und es locken Dutzende von schönen Hütten. Also ab zum Warmfahren a la Bike-Tourist: auf der Strecke des Ironbike zur Alpe Larein, Kuchenpause und weiter dem ausgeschilderten Weg folgen über Mathon Richtung Friedrichshafener Hütte. Nach ein paar steilen Höhenmetern endlich der Abzweig in den neuen Trail. Swantje versenkt den Sattel, dann tauchen wir im Wald ein. Der Weg ist zuerst steil, dann sausteil, dann sausau-sausteil. Dazu ein paar knifflige Spitzkehren und hinten raus noch ein bisschen Stein- und Wurzelgerumpel. Yippeh. Aber sowas bei der Einführungsrunde eines Marathons? Ich sehe schon die Schlange Schiebender vor mir und beschließe morgen zumindest bis zum Einstieg des Trails voll zu fahren, um dem Stau zu entgehen. Eine schnelle Wiesen- und Waldabfahrt später sind wir zurück in Ischgl, putzen kurz unsere Bikes und checken in der Pizzeria am Dorfplatz ein. Essen fassen. Dann Startunterlagen abholen, meine Eltern und Len begrüßen, die mittlerweile auch angekommen sind, ein bisschen durch den Ort bummeln, Abendessen, ein paar Seiten lesen und Einschlafen.



Samstag, 05.08.2012, 06:35. Aufstehen. Eigentlich viel zu spät, aber ich will es ja gemütlich angehen lassen heute. Beim Frühstück sitzen schon weitere Mitstreiter, alle unterhalten sich über das miese Wetter in diesem Sommer, das bisher noch fast jedes Rennen in eine Schlammschlacht verwandelt hat. Heute sieht es gut aus - es hat zwar in der Nacht geregnet, aber die Restwolken verziehen sich gerade aus dem Tal, ab und zu blitzt schon der blaue Himmel durch. Dazu ist es bereits ziemlich warm - perfekte Bedingungen also. Drei Nutella-Brötchen, rein ins Renndress, kurz mal den Puls auf den ersten Metern der Idjoch-Auffahrt hochjagen und rein in den Startblock. Um mich rum viele Pros, Lizenzfahrer und ambitionierte Hobby-Racer, über 700 Biker stehen am Start, Teilnehmerrekord. Startschuss, es wartet die Einführungsrunde. Neutralisiert wird das Feld einmal durch den Ort geführt, es ist eng, Bremsen quitschen, ich gebe Gas und bleibe vorne dran. Nur raushalten aus dem Getümmel. Plötzlich ein Hund. Panisch rennt er ins Feld, ich komme noch vorbei, hinter mir kracht es laut. Massensturz. Schwein gehabt, den Hundehalter sollte man mit der Kette peitschen. Wir kesseln die letzten Meter durch den Ort, ich genieße noch mal die Anfeuerungsrufe von Swantje, meinen Eltern und Len und ab geht es nach Mathon. Ich liege gut und obwohl meine Beine nicht wirklich frisch sind, kann ich das Tempo der anderen halten. Lareinalpe, weiter zur Verpflegung, Abfahrt zurück nach Mathon, steile Auffahrt, Abzweig in den neuen Trailabschnitt. Ich lasse es laufen, aber schon in der ersten Spitzkehre treffe ich auf Schiebende - so weit vorne im Feld hätte ich damit echt nicht gerechnet. Immerhin, sie gehen aus dem Weg, ich kann durchfahren. Wiesenabfahrt, Bachdurchfahrt, rein nach Ischgl. Eigentlich hätte ich Lust ins Ziel zu fahren, doch als Lizenzler fliegt man dann aus der Wertung. DNF? Nö. Abbiegen also, rauf zur Idalpe. Swantje feuert mich an, ich werde mit einer Flasche versorgt, dann bin ich schon in der steil in den Himmel ragenden Asphalt-Rampe. Ich lasse es wie geplant heute ruhiger angehen als sonst, der Puls pendelt sich im GA2-Bereich ein und so lässt sich die lange Auffahrt fast gemütlich bewältigen. Selbst für kurze Gespräche mit den anderen Teilnehmern reicht die Luft. Trotzdem - der Schweiß rinnt, es ist mittlerweile ziemlich heiß. Idalpe, wieder werde ich erwartet, Flaschenwechsel. Langstrecke? Nicht heute. Ich kündige an, auf die Mittelstrecke abzubiegen und gehe in die letzten steilen Höhenmeter des Tages. Mit GA2 ist hier nichts mehr, zu steil. Ich drücke die letzte Rampe zur Veilischarte im EB-Bereich hoch und genieße endlich die Belohnung für die Mühen: 1400 Höhenmeter Abfahrt am Stück. Vom Flow des letzten Jahres ist nicht mehr so viel übrig, der Trail ist rumpliger als 2011. Lenker festhalten also und laufen lassen. raus aus dem Trail, eine letzte Bachdurchfahrt – kalt wie immer – und rein ins Ziel. Der Sprecher verkündet: Platz 5 Masters Lizenz. Meint der mich? Ich kann es kaum glauben, aber der Blick auf die Ergebnisliste kurz später bringt die Bestätigung: trotz der sehr ruhigen Fahrweise bin ich ziemlich weit vorne gelandet: Platz 50 gesamt und Platz 5 in der Klasse. Klasse.



Sonntag: Kein Wecker, ist ja Urlaub heute. Geweckt werden wir dennoch ziemlich unsanft: es schüttet. Mist, denn eigentlich wollten wir heute mit dem Bike nach Galtür und weiter zur Jamtalhütte. Dort gibt es den besten Kaiserschmarrn weit und breit. Aber bei dem Wetter? Naja, erst mal Frühstücken. Danach: es gießt noch immer. Aber: erste Lücken im dichten Grau sind erkennbar, es klart langsam auf. Rein in die Bike-Klamotten und nix wie los. Raus aus dem Hotel - Platsch. der letzte Schauer erwischt uns voll. Es bleibt also dabei - kein Rennwochenende ohne Volldusche. Immerhin ist es weiter warm und auch die Wolken, die noch dicht am Talausgang hängen, scheinen sich zu langsam zu verabschieden. Wollen wir? Wir wollen. Schnell sind wir in Galtür und sammeln meine Eltern und Len ein, denen wir einen kleinen Vorsprung per Auto gegönnt haben. Gemeinsam geht es weiter zur Scheiben Alp, von hier aus kurbeln Swantje und ich alleine weiter. Ein paar letzte steile Rampen, dann sind wir oben. Beim letzten mal hat es hier oben geregnet, heute scheint die Sonne und wir genießen den Ausblick auf den Gletscher. Zumindest bis endlich der sofort bei Eintreffen bestellte Kaiserschmarrn auf dem Tisch steht – da hat auch die beste Aussicht der Welt keine Chance mehr. Kurz später kratzen unsere Gabeln über den Pfannenboden, kein Krümel ist mehr übrig. Zeit aufzubrechen. Ich auf dem Trail auf der rechten, Swantje auf dem Anfahrtsweg auf der linken Seite des Taleinschnitts. Der Trail steht nicht im offiziellen Bikeführer, mal sehen was mich erwartet. Es geht gut los, fein gekiest, schöne kehren, Flow stellt sich ein. Dann ein paar verblockte Stellen, für die mangels Gefälle der Speed fehlt, ich bleibe ständig hängen und muss ab und zu runter vom Rad. Auch die zu querende sumpfige Kuhwiese ist nicht fahrbar, ich wate durch ziemlich flüssige Kuhfladen, lecker. Danach wieder ein flowiges Stück direkt am Bach entlang, eine Stelle zum Raufklettern und das war's auch schon. Hat er sich gelohnt? Naja ... Wieder sammeln wir meine Eltern und Len ein und schon geht es an der Trisanna entlang zurück nach Ischgl. Bye Bye – bis zum nächsten Mal ...


Donnerstag, 2. August 2012

Vor der Brust: der Ischgl Ironbike.



Februar 2012. Gerade halbwegs wieder fit nach dem Kahnbeinbruch und auf der Suche nach einer Motivation für das harte Training auf dem Weg zurück zu alter Form, hatte ich die Super-Idee, mich nach der Sslzkammergut-Trophy auch noch zum Ischgl Ironbike anzumelden. Logisch, war ja immer schön da (Ironbike 2009, Ironbike 2010 und Ironbike 2011) Bis auf das Wetter vielleicht und die Qualen bei der Auffahrt zu Idalpe und Palinkopf. Aber sowas verdrängt man ja gerne und schon war ich angemeldet, das Startgeld überwiesen und die Zimmer gebucht. Doch jetzt das: die Luft ist raus bei mir. Leide seit der Salzkammergut-Trophy an akuter Unlust, mich an die Startlinie eines Rennens zu stellen, vom dafür notwendigen Training ganz zu schweigen. Was tun? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Anreisen werden wir, da die Zimmer sowieso bezahlt sind, ob ich aber auch zum Rennen starten werde, steht in den Sternen. Aber wie heißt es in der Ischgl-Werbung so schön? Relax. If you can. Es könnte sein, dass ich mich in diesem Jahr auf das Relaxen konzentriere.

Donnerstag, 26. Juli 2012

Von Raddieben, Motivationslöchern und Solofahrten: Die Salzkammergut-Trophy 2012.

"Mein Bike ist weg". JB sagt das ganz ruhig. So ruhig, dass ich es zuerst gar nicht realisiere. Eine Millisekunde später ist der Schock umso größer. Das Bike ist nicht irgendein Bike und wir befinden uns auch nicht irgendwo, wo man den Schaden wenigstens halbwegs kompensieren könnte. Wir stehen auf einem Parkplatz in Bad Goisern, es ist kurz vor 05:00 Uhr und damit ist der Start zur A-Strecke der Salzkammergut-Trophy nur noch Minuten entfernt. Für JB damit traurige Gewissheit - ein Jahr Vorbereitung umsonst, die Trophy wird ohne ihn stattfinden. Ich dagegen habe zwar mein Bike noch, meine Motivation aber ist ebenfalls futsch. Dennoch rolle ich in den Startblock, um mich herum ist die Stimmung trotz Uhrzeit und der schaurigen Wetterprognose ausgelassen. Bei mir selbst sieht es anders aus, noch niedergeschlagener ist verständlicherweise JB, der mich trotzdem mit Swantje zum Start begleitet hat. Für mich eine große Geste - ich selbst wäre vermutlich in gleicher Situation immer noch rumpelstilzchend durch Bad Goisern getobt. Ein letzter Händedruck von JB, ein Küsschen von Swantje und dann fällt auch schon der Startschuss.



Ich versuche die trüben Gedanken abzuschütteln, und mich auf das. was kommt, vorzubereiten: 211 Kilometer mit über 7000 Höhenmetern. Doch trotz der langen Distanz - um mich rum geben einige Gas, als sei das Rennen schon am nächsten Berg entschieden. Bloß nicht anstecken lassen also. Ruhig und immer knapp unter EB-Puls meistere ich den Rehkogel und den Raschberg, eine kurze Abfahrt und schon geht es wieder rauf Richtung Hütteneck-Alm. Vor ein paar Tagen saß ich da noch mit Swantje beim Kaiserschmarrn – keine Zeit dafür heute, denn mittlerweile habe ich endlich eine gut funktionierende Gruppe rund um Andreas Goldberger gefunden, die ich auf keinen Fall verlieren möchte. Gemeinsam rauschen wir an der Hütte vorbei, donnern zum ersten Mal durch die ewige Wand ohne Zeit, die Aussicht zu genießen und kommen nach Weißenbach wo Swantje eine Verpflegungsstelle für mich eingerichtet hat. Zu meiner Überraschung steht da auch JB. Was ich dann höre, haut mich fast vom Rad: "Das Bike ist wieder da." Wie das? Doch statt einer Antwort bekomme ich eine Trinkflasche in die Hand gedrückt und schon hetze ich der Gruppe hinterher. Wieder rauf zum Rehkogel, die Gruppe läuft nach wie vor gut und auch das Wetter spielt noch mit: wolkig, aber noch keine Spur vom angekündigten Dauerregen. Rauf, runter, rauf, dann wieder runter. Über eine ruppige Skipiste, grobgeröllig, ein paar aus der Gruppe verlieren den Anschluss und wir sind ab sofort nur noch zu viert unterwegs. Wir passieren die Blaa-Alm, dann plötzlich: PFFFFFT. Platten.



Im Vorderrad steckt ein ziemlich großer Holzsplitter, Latexmilch fließt aus dem Reifen. Ich reduziere das Tempo und warte darauf, das die Scheiß-Milch endlich dichtet. Doch nichts passiert. Also runter vom Rad, Splitter abbrechen, Finger auf die Wunde, dicht. Nachpumpen, aufspringen, der Gruppe hinterher. Doch ein paar Radumdrehungen später reißt der Reifen wieder auf. Die Dichtmilch dichtet nicht. Runter. Rad ausbauen, Mist, ich bekomme den Reifen nicht von der Felge, Reifenheber ansetzen, Hebeln, Zerren, Ziehen, endlich ist er unten. Schlauch rein, Reifen wieder drauf, Aufpumpen. Das dauert und dauert. Mittlerweile ist nicht nur die Gruppe weg, sondern sicher auch 5o weitere Fahrer an mir vorbei. Nichts wie hinterher. Schnell hole ich die meisten derer, die mich eben fluchend am Rand der Strecke sahen wieder ein, doch keiner kann oder will trotz aller Animationsversuche mein Tempo halten, um mit mir eine neue Gruppe zu bilden und gemeinsam zur Aufholjagd zu blasen. Der zweite Aufstieg zur Hütteneck-Alm wird so zu einem ziemlich einsamen Unterfangen, dann endlich laufe ich auf ein paar schnelle B-Streckler auf und kann mich kurz bis zur Alm anhängen. Steil bergab, rechts, links, Schiebepassage durch mittlerweile mehr als knöcheltiefen Schlamm, aufspringen, rein in den Trail zur ewigen Wand. Hier wird geschoben und das Überholen wird zur Geduldsprobe. Ewige Wand, endlich wieder freie Fahrt, Schotter, Trail, Straße, Weißenbach. Swantje und JB. Flaschen auffüllen, Riegel essen. Außerdem die Hintergrundinfos zur wichtigsten und unglaublichsten Nachricht des Tages: das Rad von JB wurde von der Polizei sichergestellt - zusammen mit weiteren gestohlenen Bikes, auch der Täter ist gestellt. Mit einem dicken Danke an die österreichische Polizei gehe ich wieder auf die Strecke. Hoch zur Chorinsky-Klause. Den Weg kenne ich, hier habe ich mich gestern mit JB warm gefahren. Noch mal verfluche ich beim Gedanken daran laut das Arschloch, das nicht nur JB den Tag versaut hat, und nehme den Anstieg in Angriff. Alleine, geeignete Mitstreiter sind keine in Sicht. Dafür setzt der versprochene Regen ein, zuerst nur ein paar Tröpfchen, doch schon Minuten später fällt er dicht. Dazu bläst starker Wind – natürlich – von vorn. Wütend trete ich mit aller Kraft dagegen an, doch es geht trotzdem nur langsam voran. Endlich der Abzweig zur Klause, dann weiter zum Hochmuth. Der Regen peitscht mir ins Gesicht, dann tauche ich endlich in den Trail zurück nach Weißenbach ein. Die ersten Meter sind noch fahrbar, dann heißt es Laufen. Im Sprint über Stock und Stein, das Bike hüpft neben mir her, das Pedal hackt mir alle 5 Meter in die Wade, mehr als einmal versucht mir eine der rutschigen Wurzeln ein Bein zu stellen und mich auszuhebeln. Aua. Dann bin ich unten, Weißenbach zum Dritten. Parken bei Swantje und JB. Ich esse was, trinke was, es regnet, das Bike ist verschlammt, ich bin klitschnass, eine gute Zeit ist eh nicht mehr drin, Gedanken ans Aufgeben machen sich breit. Ich überlege hin und her, kämpfe mit mir selbst, nach unendlich langen Minuten dann entscheide ich mich: es geht weiter, wenigstens durchkommen und finishen. Ich verabschiede mich und ab geht's in die lange Flachpassage Richtung Salzberg. Und natürlich: ohne Gruppe aber mit ordentlich Gegenwind. Ich passiere Bad Goisern, denke noch ein weiteres Mal darüber nach, ins Hotel abzubiegen, schon bin ich am Hallstädter See und am Strandbad Obertraun. Im letzten Jahr war es hier noch voll mit Badegästen, heute bin ich abgesehen von ein paar Streckenposten alleine hier. Abzweig Salzberg, ich schieße einen Activator ein und beginne den langen Anstieg nach oben. In jeder Kehre treffe ich auf Liegengebliebene, die meisten sind auf der B-Strecke unterwegs, viele geben auf - zu stark der Regen, zu stark die Erschöpfung. Ich kämpfe mich weiter nach oben, erreiche die Seilbahnstation, den Grashang. Vom Gras ist nichts mehr zu sehen - knietiefer Schlamm erwartet mich. Schieben die logische Konsequenz, dann die steile Asphaltrampe, die ich im letzten Jahr noch fahrend bewältigen konnte. In diesem Jahr: weiter schieben, an Fahren ist nicht zu denken. Am Gipfel setzt der Regen für Sekunden aus, um sofort noch stärker als zuvor wieder einzusetzen. Dazu wird es saukalt, den Tee an der nächsten Verpflegung kann ich gut gebrauchen. Und wieder bergauf, wieder steil zur Roßalm. Weitere Mitkämpfer, die aufgeben, erschlagen von den Kilometern, den Höhenmetern, den Streckenbedingungen und dem Wetter. Rasende Abfahrt zum Gosausee, ich freue mich, das ich eine Regenjacke anhabe. Am See kein Mensch, sehnsüchtig denke ich ans letzte Jahr, als Swantje uns hier noch mal überrascht hat, schon gehe ich in den letzten echten Berg des Tages. Noch mal 500 Höhenmeter, ich ackere, aber wie schon auf den letzten knapp 50 Kilometern: Gegenwind, trotz vollem Einsatz bleibt das Tempo eher mau. Kaum oben bin ich schon wieder unten. Ein rumpliger, ausgewaschener Karrenweg, 2 kleine Gegensteigungen, Ortsschild Bad Goisern, Kirche, Zielsprint, 14:06. Und das mit über 40 Minuten Standzeit und weitestgehend im Alleingang. Dennoch: Kurz ärgere ich mich, zumindest die 13 vorne verpasst zu haben, dann aber überwiegt schnell die Freude und auch der Stolz, es unter diesen Bedingungen ins Ziel geschafft zu haben. Dazu passt auch das Ergebnis - mit Platz 34 habe ich mich in diesem starken, internationalen Feld weit vorne eingereiht. Was bleibt? Swantje und JB, die mich im Ziel begrüßen, eine Rotwurst, höllische Kreuzschmerzen, ein Finisher-Shirt, das Essen beim Italiener, eine wahnsinnige Kriminalgeschichte rund um den Räderklau, die ich nun endlich in Gänze verfolgen kann und eine Nacht, in der ich ziemlich fest schlafe.

Samstag, 21. Juli 2012

Frankfurt statt Euro-Bike: Trek geht neue Wege

War bisher die Euro-Bike in Friedrichshafen der Ort, an dem es für alle Marken galt, Händler zu treffen und neue Modelle vorzustellen, geht Trek 2012 erstmals einen anderen Weg: Statt am Bodensee schlägt die Trek World ihre Zelte zum ersten mal in Frankfurt am Main auf. Eine komplette Halle gefüllt mit allem aus der breiten Trek-Produktpalette. Rennräder, Mountainbikes in 26 und 29", Stadtflitzer, dazu die Anbauteile von Bontrager - zu sehen gab es vieles, was das Herz von Radsportfans höher schlagen lässt. Aber Konkurrenz zur Eurobike? Für mich nicht. Zu nüchtern die Präsentation, steril, irgendwie leblos. Wie ein Katalog zum Anfassen. Von wirklicher Begeisterung fürs Rad kam wenig bis nichts rüber, selbst die ausgestellten Pro-Bikes konnten daran nichts ändern. Dennoch gab es Sehenswertes - zum Beispiel das neue Superflyl in 29" mit unter 10 kg. Was sonst noch auffiel: 29er für Kleine sehen nach wie vor merkwürdig aus und die Bikewelt wird nach und nach immer bunter, es gab viele schöne Farben zu sehen:

Montag, 16. Juli 2012

Survivor: Salzkammergut-Trophy 2012 gefinished.

Aufstehen um 3:30 Uhr, Bikediebstahl bei Mitfahrer JB entdeckt, erzwungener Solo-Start im Morgengrauen, Bike wieder da, dafür Flasche weg, Platten und auch die gute Gruppe weg, 3 x Swantje und JB in Weissenbach, Gegenwind, Regen, Kälte, 3 Gels, 4 Riegel, unzählige Stück Kuchen, 7000 Höhenmeter, 215 Kilometer, überlebt und angekommen: als 34 der Altersklasse auf der Extrem-Strecke der Salzkammergut-Trophy 2012. Bericht und Bilder wenn ich wieder fit bin.

Dienstag, 10. Juli 2012

Saisonhöhepunkt straight ahead: Salzkammergut-Trophy die zweite.

Gerade zurück von der letzten Trainingseinheit, im Radio läuft mit FM4 schon ein österreichischer Sender – die Salzkammergut-Trophy 2012 kann kommen. Auch wenn mir natürlich immer noch etwas mulmig ist beim Gedanken an 200 Kilometer und über 7000 Höhenmeter, aber immerhin weiß ich aus dem letzten Jahr ( Salzkammergut-Trophy 2011 ): es ist packbar. Wie es ausgegangen ist - demnächst hier.

Montag, 9. Juli 2012

Erbeskopfmarathon 2012: Kissenschlacht statt Schlammschacht.



Kein Kunstwerk in grau, sondern das ganz normale Wochenendwetter im Sommer 2012: Regen. Und so gerne ich beim Erbeskopfmarathon gestartet wäre, um meinen Stockerl-Platz aus 2011 zu wiederholen - bei nur 14 °C und Dauerregen macht es erstens keinen Spaß und zweitens auch keinen Sinn - jedenfalls dann nicht, wenn der Saisonhöhepunkt nur ein paar Tage entfernt ist. Und so entschied ich mich schweren Herzens dafür, wieder ins Bett zu kriechen, statt nach Thalfang aufzubrechen. das Ersatzprogramm: Zuschauer beim Ironman Frankfurt. Auch mal schön, als Zuschauer am Rand zu stehen, wenn sich andere quälen.

Montag, 25. Juni 2012

Spessart Bike Marathon 2012: Grabig zum Letzten

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: der 16. Spessart Bike Marathon in Frammersbuch wird aller Voraussicht nach auch der Letzte sein. Ich konnte mir das kaum vorstellen, doch nach und nach wurde aus den Gerüchten Gewissheit – das bisherige Organisationsteam hört auf und Nachfolger sind keine in Sicht. So ist das Aus des Traditionsrennens nach derzeitigen Stand wohl kaum noch zu verhindern. Für mich ist das besonders schade – denn erstens war der Spessart Bike Marathon mein erster Marathon überhaupt und zweitens ist es nach wie vor eine der schönsten und am besten organisierten MTB-Veranstaltungen weit und breit. Und das direkt vor meiner Haustür. Klar also, dass ich nach der Pause im letzten Jahr gestern wieder am Start stand. Die Bedingungen? Spitze: Wetter perfekt, Strecke trocken, Zuschauer reichlich, ideale Voraussetzungen für ein tolles Rennen. Punkt 8 Uhr 30 fiel der Startschuss. Ich erwischte keinen perfekten Start, fand aber im ersten Berg schnell meinen Rhythmus und konnte mich so wieder einige Plätze nach vorne schieben. Doch gerade als ich nur noch ein paar Meter hinter der Spitzengruppe war, hatte der Berg ein Ende und ich den Anschluss verpasst. So was ist immer dumm, ganz besonders dumm ist es aber auf Strecken wie in Frammersbach. Denn was jetzt erst mal auf dem Programm stand war: Bolzen bis zum Anschlag. Ohne Gruppe und immer alleine im Wind leider nur halb so schnell wie mit. So rase ich in der Folge mehr oder weniger alleine über die Schotterautobahnen, dann endlich geht es wieder bergauf und ich kann zumindest die, die dem Höllentempo der Spitze nicht mehr folgen können, nach und nach einsammeln. Doch statt gemeinsam mit den stärksten der Versprengten eine Gruppe zu bilden, begehe ich den nächsten Fehler. Ich ziehe sofort vorbei, um weiter nach vorne zu kommen. Alleine natürlich so vergeblich wie schon beim ersten Versuch. Blick nach vorne: niemand in Sicht. Blick nach weit hinten: eine kleine Gruppe, die aber nicht näher kommt. Was tun? Weiter zwischen Baum und Borke verhungern? Nö, ich beschließe, mich in die Gruppe fallen zu lassen. Die aber nehmen mir übel, das ich vorher sofort durchgezogen habe und hängen sich hinter mich, arbeiten will keiner. Na prima. Bis zur zweiten Verpflegung bestimme ich also das Tempo der Gruppe, dann nutze ich die Verpflegungsstelle, um endlich einem anderen den Vortritt zu lassen. Der urplötzlich auch wieder Gas geben kann und sich alle Mühe gibt, die Gruppe zu sprengen. Was ihm auch gelingt, ab sofort sind wir zu zweit unterwegs. Ich will mich bei der Führungsarbeit abwechseln, aber keine Chance - jedes Mal, wenn ich mich an seine Seite schiebe gibt er mehr Gas. Ok, dann eben nicht. Wir schießen über Forstautobahnen, donnern über die rasend schnell zu fahrenden Trails und plötzlich sind wir wieder in Frammersbach. Letzte Verpflegung, dann runter schalten, der legendäre aber leider sacksteile Anstieg zum Grabig lauert schon. Im Einstieg sehe ich, wie mein Mitfahrer ein, zwei Gänge höher schaltet und weiß sofort was er vorhat, doch parieren kann ich seinen prompt folgenden Angriff erst mal nicht. Also beißen und die Lücke, die sich aufgetan hat, langsam wieder schließen. Der ohrenbetäubende Jubel von hunderten Zuschauern hilft dabei enorm, dann sehe ich Swantje an meiner Seite, sie läuft neben mir, peitscht mich noch mal an und ich kämpfe mich wieder ran. Meter um Meter mache ich gut, dann die letzte Abfahrt und ich schieße an ihm und gleich zwei weiteren direkten Konkurrenten vorbei ins Ziel und kann mich so mit einer Gesamtzeit von 2:49 und Platz 13 zumindest unter den Top 15 der Altersklasse halten.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Ultra Bike Kirchzarten 2012: Ultra schön.

Ultra Bike Kirchzarten 2012: Ultra schön. Kirschwasser? Zum Dessert? Direkt vor dem als Biketour mit Swantje geplanten Warmfahren für einen Marathon? Auf nüchternen Magen? Keine gute Idee wie sich jetzt zeigt. Denn 32°C, pralle Sonne, ein steiler Berg und Alkohol vertragen sich nun mal nicht. Aber immerhin: Geschmeckt hat es, das Riesen-Stück Schwarzwälder Kirsch, das uns die nette Wirtin unseres Hotels zur Stärkung nach der langen Anfahrt angeboten hat. Das ins Rezept auch ein ordentlicher Schluck Schnaps gehört, konnte ja keiner von uns ahnen. Also beenden wir die Tour und fahren zurück nach Kirchzarten - dem Austragungsort der fünfzehnten Ausgabe des Black Forest Ultra Bike Marathons. Gerade läuft die Deutsche Meisterschaft im MTB-Sprint, drumrum gibt es eine kleine Bike-Expo und auch der Stand mit dem leckeren Eis vom Biobauernhof ist wieder da. Super - damit ist für mich die Zielverpflegung für morgen klar. Für heute haben wir aber erst mal genüg Atmosphäre geschnuppert und wir fahren zurück zum Hotel. Duschen, ab zum Italiener, Nudeln und Pizza, noch ein paar Minuten eines wieder mal langweiligen Fußball-EM-Spiels und schon fallen mir die Augen zu.



Sonntag morgen, 5.15 Uhr, Aufstehen, einen Kaffee trinken, ein Müsli essen und ab nach Kirchzarten. Auto parken, Warmfahren, in den Startblock rollen. Kuss von Swantje und schon schickt uns der Starter bei perfekten Bedingungen auf die knapp 115 Kilometer lange und mit über 3200 Höhenmetern gespickte Strecke. Ich komme sehr gut weg und kann das hohe Tempo der anderen auch am ersten langen Anstieg problemlos halten. Nach und nach kristallisiert sich eine ca. 15-köpfige Gruppe raus, mit der ich die nächsten knapp 3 Stunden über die Strecke prügele. Am Berg fällt es mir leicht, das Tempo mit zu bestimmen, auf den langen Drückerstrecken dazwischen haben die schweren Jungs der Gruppe deutliche Vorteile. Also halte ich mich weitestgehend im Windschatten, lasse mich ziehen und genieße die Landschaft. Auch mal schön. Doch dann wird die gute Stimmung abrupt getrübt. Wie schon beim Tegernsee Bike Festival bekomme ich von einer Sekunde auf die andere massive Probleme. Der Puls sackt ab und will auch trotz aller Anstrengung nicht mehr nach oben. Mit dem Puls rauscht auch das Tempo in den Keller und in Nullkommanix ist die Gruppe weg. Die nächsten Kilometer beschäftige ich mich mehr mit dem Gedanken, an was es liegen könnte, als mit dem Rennen selbst, dann höre ich plötzlich laute, wummernde Musik – ich bin kurz vor der Alpe de Fidlebrugg. Höchste Zeit mit dem Grübeln aufzuhören und nix wie runter in den Ort: Swantje wartet dort auf mich. Ich stoppe kurz – Küsschen – und schon werde ich von ihr und den zahlreichen anderen Zuschauern die steile Teerrampe hoch gebrüllt. Prima. Und die beste Motivation, die restlichen knapp 30 Kilometer noch mal alles zu geben. Also rauf auf den Berg und rein in die nächste Abfahrt - und urplötzlich ist der Puls wieder da. Sofort habe ich wieder Druck auf dem Pedal und kann mich so auf dem letzten Drücker auf dem Weg ins Stadion mit einer Zeit von 5.22 Stunden noch unter die Top 30 der Altersklasse fahren. Gut. Noch besser: das Eis, das ich mir schon gestern versprochen habe und jetzt endlich bekomme.



Montag, 11. Juni 2012

UltraBike Kirchzarten: nächster Formtest

Nachdem die CraftBilke TransGermany ohne mich stattfand und ich auch für den Marathon in Rhens passen musste, habe ich mich entschieden, ein weiteres mal beim UltaBike in Kirchzarten an den Start zu gehen. Die Wünsche fürs Rennen: für mich bessere Beine als zuletzt beim SportScheck-Marathon am Tegernsee und für alle Teilnehmer besseres Wetter als bei der Ausgabe 2011 (UltraBike Kichzarten 2011).


Samstag, 9. Juni 2012

Craft Bike TransGermany: die Schlussetappe

Letzte Etappe der Craft Bike TransGermany von Seefeld nach Garmisch. Und blieben die Teilnehmer bisher vom Regen verschont, traf es sie heute umso heftiger: Dauerberieselung auf der ganzen Strecke, aber irgendwie wäre eine TransGermany ohne Regen ja auch nicht komplett. Nichts anhaben konnte das Wetter den Gesamtführenden bei den Männern und Frauen – Cristoph Sauser und Milena Landtwing fahren ihre Führung souverän nach Hause. Auch bei den Mastern bleibt alles beim Alten – Andreas Strobel holt sich den Titel vor Carsten Bresser und Andreas Laner.  Nur zu gerne hätte ich gewusst, wie ich im Vergleich zu den absoluten Top-Fahrern meiner Altersklasse abgeschnitten hätte - mal sehen, vielleicht wieder im nächsten Jahr ...




Freitag, 8. Juni 2012

Craft Bike TransGermany: Die dritte Etappe von Lermoos nach Seefeld

Neues Terrain für die Craft Bike TransGermany. Heute ging es zum ersten mal in der Geschichte des Etappenrennens nach Seefeld. Eine Etappe, die auch ich nur zu gerne in Angriff genommen hätte – auch wenn ich gegen den Tagessieger von heute,Thomas Litscher, sicher keine Chance gehabt hätte. In einem spannenden Zielsprint schlug er Matthias Betiinger und den weiter souverän in der Gesamtwertung führenden Christoph Sauser. Bei den Damen hat die Overall-Leaderin erneut etwas von ihrem Vorsprung auf Elisabeth Brandau eingebüsst - da könnte es morgen auf der Schlussetappe auch noch mal spannender werden, als gestern noch gedacht. In "meiner" Altersklasse führt weiterhin Andreas Strobel, auch wenn er heute bereits zum zweiten mal in Folge den Tagessieg dem Scott-Teampiloten Andreas Laner den Etappensieg überlassen musste.



Donnerstag, 7. Juni 2012

Craft Bike TransGermany: Sauser deklassiert die Konkurrenz

Auch die zweite Etappe der Craft Bike TransGermany von Pfronten nach Lermoss ist Geschichte. Wieder als erster im Ziel der Schweizer Christoph Sauser. Diesmal siegt er vor Matthias Leisling von BlackTusk und Markus Kaufmann. Bei den Damen holte sich Elisabeth Brandau den Sieg.